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FreilichtSpiele Tecklenburg übertreffen sich mit ARTUS – EXCALIBUR wieder einmal selbst

Die Erwartungen waren extrem hoch, als am gestrigen Samstag die deutsche Erstaufführung des Musicals ARTUS – EXCALIBUR von Frank Wildhorn in der Burgruine der FreilichtSpiele Tecklenburg stattfand, denn das hochgelobte Werk, das vor zwei Jahren Welturaufführung im schweizerischen Theater St. Gallen feierte, findet in Tecklenburg beste Voraussetzungen, um das Publikum von ihren mehr als 2.300 Sitzplätzen zu reißen: Großartige Musik, bei der Hit auf Hit folgt, interessante Charaktere, die von bekannten Darstellern besetzt wurden und eine Kulisse, die die Sage um König Artus und dessen Schwert Excalibur authentisch vermitteln sollen könnte. Wurden die hohen Erwartungen erfüllt? Die Antwort lautet klar: Bei Weitem.
Die Sage beginnt im 5. Jahrhundert, als die Römer Britanien verlassen haben. Das Land versinkt in Kampf und Chaos. Loth von Orkney (Christian Schöne) besiegt König Uther Pendragon (Zoltan Fekete). Das Land sucht einen neuen König. Zugleich steckt ein magisches Schwert unlösbar in einem Felsen fest. Es wird vereinbart, dass jener König wird, der das Schwert aus dem Felsen ziehen kann. Hunderte versuchen scheiternd ihr Glück. Eines Tages wird Artus (Armin Kahl) von Loth’s Sohn Sir Gareth (Thomas Hohler) angegriffen und greift reflexartig zum Schwert, um sich zu verteidigen. Zu aller Verwunderung hält er es plötzlich in den Händen und darf sich fortan König nennen. Sich selbst sieht Artus jedoch nur als Sohn eines gewöhnlichen Mannes und wird darauf vom Zauberer Merlin (Kevin Tarte) über seinen tatsächlichen Werdegang und seine Bestimmung belehrt. Artus ist zurecht Thron-Nachfolger und das Ergebnis einer heimlichen Liebschaft des früheren Königs, den Merlin bei seiner Tat unterstütze. Er verschweigt ihm dabei, dass er noch eine Schwester mit dem Namen Morgana (Roberta Valentini) hat, die sich zeitgleich mit dem feindlichen Loth von Orkney verbündet. Durch sein neues Amt entstehen Konflikte mit seinem besten Freund Lancelot (Dominik Hees) und seiner großen Liebe Guienevere (Milica Jovanovic), die er selbst viel zu spät erkennt.

Frank Wildhorn hat mit ARTUS – EXCALIBUR ein weiteres Meisterwerk seines mitreißenden Portfolios geschaffen, das schon musikalisch bei der Veröffentlichung der Studio-CD Musicalfans begeisterte. Die abwechslungsreichen, mitunter auch sehr rockigen Songs lassen sich nicht mehr aus dem Gedächtnis verdrängen und erfordern hohes Gesangstalent. Das bewiesen schon die bekannten Musicalstars der CD- und St. Gallener Produktion. Die für Tecklenburg verpflichteten Darsteller sind daher auch wieder einmal keine unbekannten, sondern ebenfalls direkte Star-Kollegen der obersten Riege, die es schaffen das Werk auf ihre eigene persönliche Art zu interpretieren. Armin Kahl begeistert wieder einmal in der Titelrolle in Tecklenburg und gibt sich mit vollem Einsatz seiner Rolle hin. Kevin Tarte verzaubert als grauhaariger „Merlin“ mit kraftvoller Stimme und guter Mimik. Roberta Valentini („Morgana“) und Milica Jovanovic („Guinevere“) meistern die gesanglichen Herausforderungen brilliant und auch Dominik Hees („Lancelot“) erntet für sein Solo zurecht langen Applaus.

Die FreilichtSpiele übertreffen sich mit Ihrer Inszenierung wieder einmal selbst und heben Frank Wildhorn’s Meisterwerk auf eine neue Stufe, wenn das fast dreistellige Ensemble die breite Bühne von allen Seiten füllt und als großer Chor das Publikum mit andauernder Gänsehaut beschenkt. Regisseur Ulrich Wiggers hat die vielen Akteure dabei gekonnt  auch einzeln in Szene gesetzt. Jeder Protagonist steht mit Herzblut auf der Bühne und niemand ließ sich einen kurz vor der Pause einsetzenden, starken Regenfall auch nur ansatzweise anmerken. Die Choreographien von Kati Heidebrecht sind aufwendig und detailliert, Kampfszenen wurden von Klaus Figge mitunter zeitraffernd spektakulär dargeboten. Die Kostüme von Karin Alberti treffen gewohnt historisch die Zeit. Das Bühnenbild von Susanna Buller ist einfacher gehalten, als bei anderen Produktionen der FreilichtSpiele, erfordert aber auch keine Veränderung, da die Kulisse der Tecklenburger Burgruine mit guten Lichtakzenten authentisch überzeugt. Die Komposition wird unter der Leitung von Tjaard Kirsch mit mehr als 30 Musikern atemberaubend getragen.

So bleibt abschließend eine Produktion, die nicht besser hätte gelingen können, die Erwartungen an das außergewöhnliche Werk bei Weitem erfüllt und in der aktuellen Spielzeit von vielen Besuchern sicherlich häufiger angesehen werden wird. In Ihrer Inszenierung von ARTUS – EXCALIBUR setzen die FreilichtSpiele Tecklenburg nicht nur dem Titelhelden, sondern auch der Festspielstadt die Krone auf.


Fotos 1-3: Heiner Schäffer
Fotos 4, 6, 7, 9-11 und Artikelbild: Holger Bulk
Fotos 5, 8, 12-14: Stefan Grothus
Fotos 15-18: Ulrich Niedenzu

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