Musikwunschdatenbank-Update
Dieses Update führt quer durch Zeit und Raum: vom revolutionären Paris des 19. Jahrhunderts über das Australien der Jahrhundertwende und die Vaudeville-Bühnen New Yorks bis in den amerikanischen Süden zur Zeit der Bürgerrechtsbewegung. Während LES MISÉRABLES sein 40-jähriges Jubiläum feiert, kommen mit PICNIC AT HANGING ROCK, THE QUEEN OF MAGIC und WE SHALL SOMEDAY gleich drei neue Werke hinzu, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten. Und doch eint sie der Blick auf Menschen, die sich gegen ihre Zeit, ihr Schicksal oder das schlicht Unerklärliche stemmen – auffällig oft mit starken Frauenfiguren im Zentrum.
LES MISÉRABLES
Ein Klassiker, der keiner Vorstellung mehr bedarf: Boublils und Schönbergs Vertonung von Victor Hugos Roman LES MISÉRABLES erzählt die Geschichte des ehemaligen Sträflings Jean Valjean, der nach Jahren in Gefangenschaft ein neues, rechtschaffenes Leben sucht – unerbittlich verfolgt vom pflichtbewussten Inspektor Javert. Vor dem Hintergrund des aufbegehrenden Frankreichs im frühen 19. Jahrhundert verweben sich die Schicksale der verarmten Fantine und ihrer Tochter Cosette sowie der jungen Revolutionäre an den Barrikaden zu einem Epos über Schuld, Gnade und Menschlichkeit. Anlass für die Aufnahme ist das 40-jährige Jubiläum: Seit der Uraufführung im Jahr 1985 in London ist LES MISÉRABLES das am längsten laufende Musical der Welt und feiert den runden Geburtstag mit einer brandneuen Studio-Gesamtaufnahme der aktuellen Inszenierung.
PICNIC AT HANGING ROCK
Deutlich rätselhafter geht es im neuen Off-Broadway-Musical PICNIC AT HANGING ROCK zu, das auf Joan Lindsays gleichnamigem Roman aus dem Jahr 1967 und Peter Weirs berühmter Verfilmung beruht. Am Valentinstag des Jahres 1900 bricht eine Gruppe von Schülerinnen des Appleyard College, einem australischen Internat, zu einem Ausflug an das markante Felsmassiv Hanging Rock auf. Doch drei der Mädchen und eine Lehrerin verschwinden spurlos, ohne dass sich je eine Erklärung findet. Die neue Vertonung erzählt diese unheimliche Geschichte bewusst aus weiblicher Perspektive und bezieht auch die Sicht der indigenen Bevölkerung mit ein. Zurück bleibt eine flirrende, atmosphärische Geschichte über Sehnsucht, Aufbruch und das Unfassbare.
THE QUEEN OF MAGIC
Mit ihrem neuen Werk holt die Songwriterin Neyla Pekarek eine fast vergessene historische Figur zurück ins Rampenlicht: Adelaide Herrmann (1853–1932), die als THE QUEEN OF MAGIC bekannt war, gilt als die erste große Magierin der Bühnengeschichte. Als Tänzerin und Kunstradfahrerin begann sie an der Seite ihres Mannes, des gefeierten Illusionisten Herrmann the Great, zunächst als bloße Assistentin. Nach dessen Tod erfand sie sich neu: Als Solokünstlerin führte sie als einzige Frau ihrer Zeit den lebensgefährlichen Kugelfang vor und tourte über Jahrzehnte als gefeierte „Queen of Magic” durch die Welt. Pekareks Songs erzählen vom Mut, aus dem Schatten eines anderen herauszutreten und die eigene Krone zu beanspruchen.
WE SHALL SOMEDAY
Den Bogen zur jüngeren Geschichte spannt schließlich WE SHALL SOMEDAY, ein jazzig grundiertes Musical von Harrison David Rivers und Ted Shen. Es begleitet drei Generationen einer afroamerikanischen Familie aus den Südstaaten. Es beginnt im Jahr 1961, als sich Julius den Freedom Rides anschließt. Der zweite Teil folgt seiner Tochter Ruby, die sich fragt, wie sie reagieren soll, als ihr halbwüchsiger Sohn Jay von der Polizei brutal angegriffen wird. Der dritte Teil führt im Jahr 1992 – im Schatten des Rodney-King-Urteils – zu Jay selbst, der nun vor der Entscheidung steht, für seine Sache einzustehen. So entsteht ein eindringliches Porträt über Widerstand, Verantwortung und den fortwährenden Kampf um Würde und Freiheit.
