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DER MEDICUS feierte Weltpremiere in Fulda

DER MEDICUS feierte Weltpremiere in Fulda
Am Freitag feierte das bereits siebte Werk der spotlight musicals GmbH Premiere in Fulda. Seit 2004 stehen die Geschäftsführer Dennis Martin und Peter Scholz für außergewöhnliche Darstellungen historischer Personen und besondere Adaptionen bekannter Literaturvorlagen. Nachdem sie höchst erfolgreich DIE PÄPSTIN von Donna Woolfolk Cross auf die Bühne gebracht hatten, galt es nun den amerikanische Schriftsteller Noah Gordon zu überzeugen seinen europaweit erfolgreichen Roman DER MEDICUS nun mehr 30 Jahre nach der Veröffentlichung als Musical wieder aufleben zu lassen.

Zu dieser Überzeugungsarbeit war zunächst der direkte Kontakt von Nöten, der wie die Geschäftsführer berichten wie ein Märchen aus 1001 Nacht klingt: Vor zwei Jahren dauerte es nicht einmal eine Stunde, bis nach diversen Ansprechpartnern das Interesse des auch bei der Premiere anwesenden Sohns des Schriftstellers Michael Gordon geweckt werden konnte. Es folgte das erste Treffen in Fulda, anschließend ein direktes Treffen mit Noah Gordon in Boston. Einen Termin, den Dennis Martin und Peter Scholz als einen „unvergesslichen, voller Wärme und positiver Energie“ beschreiben, der schlussendlich die Aufführungsrechte als Musical nach Fulda beförderte. Keine leichte Aufgabe, denn bereits die Filmrechte wurden viele Jahre zuvor immer wieder in falsche Hände gegeben, bis schlussendlich vor drei Jahren der deutsche Kinofilm zum Kassenschlager wurde, mit der eigentlichen Geschichte aber ab dem letzten Drittel nicht mehr viel gemein hatte. Die Geschichte sei zu kompliziert gewesen, schilderte Noah Gordon in einem Interview die Situation, die sein Autorenwerk massiv veränderte und fand sich mit dieser Situation ab. Ähnlich geschah es wohl auch bei der Umsetzung als Musical, denn auch hier gleicht das letzte Drittel weder dem Film, noch dem genauen Buchverlauf, nähert sich aber weitaus stärker der geschriebenen, statt der verfilmten Fassung und bildet so eine dritte Perspektive auf die Entstehung des Arztberufes und unterschiedliche Kulturen.

Die Geschichte beginnt im 11. Jahrhundert in London, als Rob Cole im Kindesalter (Paula Weber) Vater und Mutter verliert. Als Waisenjunge schließt er sich einem Bader (Sebastian Lohse) an, um von ihm dessen ausgeübten Heilberuf zu erlernen, der neben dem Einrenken von Gelenken auch das Ausnehmen der Kunden beinhaltet. Rob möchte im Erwachsenenalter (Friedrich Rau) aber mehr über Medizin wissen und richtiger Arzt werden. Schnell fasst er den Wunsch beim „Arzt aller Ärzte“ Ibn Sina (Reinhard Brussmann) an der Madrassa im weit entfernten Isfahan, der Hauptstadt Persiens, studieren zu wollen. Als Christ würde er an der Schule jedoch nicht angenommen werden, worauf hin er sich als verkleideter Jude unter dem Namen "Jesse ben Benjamin" auf den Weg macht, um seinen Traum zu erfüllen. Dabei lernt er nicht nur die Liebe seines Lebens Mary Cullen (Sabrina Weckerlin) kennen, sondern auch die Grenzen der Kulturen bei der Erforschung der Medizin und den Wert von Macht innerhalb einer Freundschaft.

Die Weltpremiere der Musicalfassung zu DER MEDICUS überzeugt mit über 30-köpfigem Ensemble und aufwendigen Choreographien (Kim Duddy). Die Musik von Dennis Martin trägt die typische Handschrift des Komponisten und schafft es auch facettenreich die unterschiedlichen Kulturen zu präsentieren. Dennoch fehlt es einigen Titeln an Steigerung, so dass musikalisch eine solide Komposition mit wenig neuartigen Titeln entstanden ist. Die Darbietung „Ein Arzt in der Familie“ von Sabrina Weckerlin (Mary) und Devi-Ananda Dahm (Fara) sorgte beim Premierenpublikum für gute Unterhaltung und viel Applaus, findet sich aber leider nicht auf der Höhepunkt-CD wieder. Bühnenbildner Christoph Weyers stand vor einer schwierigen Aufgabe die unterschiedlichen Orte in schnellen Bühnenwechseln zu realisieren. Seine entworfenen Darstellungen werden dazu im Hintergrund von Videoprojektionen unterstützt und schaffen so eine stärkere Tiefe. Allerdings ähneln im Vordergrund stehenden Elemente Comic-Zeichnungen und nehmen dem Bühnenbild insbesondere bei Videoprojektionen im Hintergrund viel Realitätsnähe. Besonders positiv hervorzuheben ist aber eine Schach-Szene zwischen Rob und Karim (Andreas Wolfram) nahe dem Ende, die spannend umgesetzt wurde und die Geschichte kreativ abrundet. Das Lichtdesign von Pia Virolainen sorgt in dieser, aber auch in den im Keller dargestellten Szenen, wenn „Rob“ den menschlichen Körper erforscht, für eine exzellente Stimmung.

Die Besetzung der jeweiligen Rollen ist der spotlight musicals GmbH gewohnt professionell gelungen. Friedrich Rau überzeugt in der Titelrolle auf gleich hohem Niveau wie schon im Vorjahr im Musical DIE SCHATZINSEL. Andreas Wolfram in der Rolle des „Karim“ schafft gekonnt den Wechsel vom Freund Rob’s zum herrschenden Schah. Als "Ibn Sina" wirkt auch Reinhard Brussmann authentisch und harmoniert im Duett mit Friedrich Rau, dessen Stimme auch sehr gut zur warmen und kraftvollen Stimme von Sabrina Weckerlin als „Mary“ passt. In seiner Doppelrolle als "Bader" und "Quandrasseh" überzeugt Sebastian Lohse auf ganzer Linie und sorgt so mit den baderischen Gepflogenheiten im ersten Akt für witzige Momente.

DER MEDICUS kann als Musicalfassung insbesondere Fans der Buchvorlage überzeugen. Spotlight Musicals schafft es wieder einmal eine komplexe Geschichte verständlich zu vermitteln. Musikalisch übertrifft das neueste Werk der Fuldaer Produktionsfirma nicht die vorangegangenen Werke DIE PÄPSTIN oder DIE SCHATZINSEL, fügt sich aber anschließend den weiteren Werken herabblickend an. Schlussendlich ist die Handlung wie immer Geschmackssache und wird Interessierten einen runden Musicalabend bescheren.

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