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Musicalsommer in Tecklenburg

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Fabius antwortete auf das Thema: Musicalsommer in Tecklenburg

Einige Lieder von der ersten deutschen Aufführung beim Tag der offenen Tür in Bochum 2014:


Ganz witzig finde ich die Proben zur Düsseldorfer-Produktion 2014:




#48452
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Fabius antwortete auf das Thema: Musicalsommer in Tecklenburg

Radulf Beuleke: Für "Rebecca" gehen wir finanziell in die Vollen
(16.06.2017) aus: musicalzentrale.de/index.php?service=9&s...rvice=2&details=5207
...Als zweite Großproduktion bringen Sie in diesem Jahr "Rebecca" auf die Freilichtbühne. Können Sie uns hierzu vielleicht ein bisschen Konzeptionelles verraten bzw. einen kleinen Ausblick geben? Worauf kann sich Ihr Publikum freuen?

Die Konzeption stammt von Andreas Gergen. Schwarz und weiß bestimmen die Optik. Tod, Feuer und Zerstörung gegen Glück, Illusion und Zukunft – Gegensätze bilden die Grundmotive des Handelns und finden sich auch in den Bildern wieder. Sicherlich werden sich alle fragen: "Wie wird Tecklenburg den Schluss des Musicals realisieren?" Dazu haben wir uns in der Tat lange Gedanken gemacht. Ich kann verraten dass wir etwas ganz Neues für Tecklenburg präsentieren und finanziell dabei in die Vollen gehen!...
#48458
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Fabius antwortete auf das Thema: Musicalsommer in Tecklenburg

Tecklenburg (whs) – Diese Rolle ist eine Herausforderung, die Maske hat tolle Arbeit geleistet! „Shrek – Das Musical“ feiert an diesem Wochenende (Sa., 17. 6., 20 Uhr) und ist in 21 Vorstellungen einen Sommer lang auf der Bühne der Freilichtspiele Tecklenburg zu erleben.
Tetje Mierendorf (45), in Hamburg geborener Komiker, Schauspieler, Musicaldarsteller und Sprecher, freut sich im ON-Interview auf die Herausforderung: „Ich leide da emotional echt jedes Mal mit. Aber es
ist auch wahnsinnig schön, diese Gefühle zuzulassen.“ Die Geschichte mit ihrem tieferen, menschlichen Kern, der Ausgrenzung anprangert, sei hochaktuell und voller Tempo. Tetje, ein Kerl wie ein Baum, trägt ein Fatsuit. Im richtigen Leben hat er unglaublich abgespeckt – fast 70 Kilo sind runter. 2004 ging es mit der Sat.1-Doku-Soap „Mein großer, dicker, peinlicher Verlobter“ für Mierendorf so richtig los: „Das war das erste TV-Ding auf breiter Front. Aber ich war vorher ja schon neun Jahre im Beruf und habe z. B. in vielen Musicals agiert.“ „Shrek“ – eine durch die Filme inzwischen weltberühmte Geschichte als modernes Musical! Tetje Mierendof ist sicher, dass die bunte Märchenwelt und Shreks Kampf um seinen Sumpf gegen den bösartigen Lord Farquaad und den Drachen Jung und Alt begeistern.
Oger mit Herz öffnet auch Erwachsenen die Augen

ON-Interview mit „Shrek“-Darsteller Tetje Mierendorf über Tecklenburger Musical-Momente, Emotionen und die Erleichterung um 70 Kilo
ON: Tetje Mierendorf, so einige Musical-Freunde fragen erschrocken, ist „Shrek“ wirklich das grelle Abendmusical oder doch eher das kindgerechte Familienmusical am Nachmittag?

Tetje: (lacht) Stimmt schon. Ich werde auch oft darauf angesprochen, „Shrek!“ ist ja ursprünglich ein Kinderbuch. Aber die Handlung, die in Tecklenburg auf die Bühne kommt, ist aktueller denn je. Es geht im Grunde um die vom Bösen Lord Farquaad abgeschobenen Märchenfiguren, die in den Sumpf eindringen und die Ruhe des grünen Ogers Shrek empfindlich stören. Der macht sich unerschrocken auf die Socken, um klärende Gespräche zu führen. Wenn wir jetzt als vergleichbares Ereignis die Flüchtlingsdebatte nehmen, dann ist die Geschichte ziemlich nah an unserer täglichen Realität dran. Der Shrek ist ein Typ, der möchte am liebsten alleine leben, er wurde von seinen Eltern mit sieben Jahren in die Welt geschickt. Und Shrek tut alles, um Klischees zu erfüllen. Keiner mag ihn, alle haben Angst vor ihm, aber keiner hat seinen Charakter richtig kennengelernt.

Eine politische Parabel, okay. Ist unser grüner Kamerad ein tollkühner Held, der neue Friedensnobelpreisträger, ein getarnter Bob Dylan?

Tetje: Irgendwie schon. Er versteckt sich hinter seiner rauen Schale. Er muss selbst erst mal Gefühle zulassen können, das lernt er dann auch. Durch Fiona, die ihn da öffnet. Es ist eigentlich egal, wie man aussieht und was andere von uns halten, wichtig ist das, was in uns drin ist. Durch permanenten medialen Beschuss fällt es immer schwerer, klare Sicht zu bewahren. Es werden so viele Säue atemlos durchs Dorf getrieben, wo man zwischen Wahrheit und Fake kaum mehr unterscheiden kann. Jeder darf mittlerweile über soziale Medien seine Meinung rausrotzen und ungefiltert zur Nachricht erklären. Das ist ja bei Shrek letztlich auch so, die Masse hat entschieden,vor Ogern muss man fliehen, am besten verbrennt man die auf dem Scheiterhaufen. Und irgendwann stellen wir fest, Mensch, das ist ja eigentlich ein total lieber Kerl, der Shrek, ein total lieber Oger, der das Herz am rechten Fleck hat und uns die Augen öffnet.

I ch bin mal gespannt. Gerade ist im TV wieder „Let´s Dance“ gelaufen, Gil Ofarim hat wohl gewonnen, ist nicht mein Thema. In der Sendung bist du immerhin Neunter geworden, da glaube ich, 2013 mit Isabel Edvardsson?

Tetje: (lacht) Ja, man kann es auch anders ausdrücken, ich bin als Zweiter rausgeflogen. Ich hasse Tanzen wie die Pest. Ganz schlimm. Und Kati Heidebrecht, die Choreografin in Tecklenburg, ist da zum Glück auch sehr gnädig mit mir.

Die Körpermasse war über Jahre dein Markenzeichen, du wurdest gebucht als „lustiger Dicker“. Und jetzt hast du dich dünne gemacht, wie bekommt dir die Leichtigkeit des Seins?

Tetje: Ich war schon überrascht, als dann der Anruf aus Tecklenburg kam. Ich sagte zum Intendanten: „ Radulf, du weißt schon, dass ich mich verändert habe?“

Und Radulf Beuleke verwies mit großer Geste auf die Kunst der Maske?

Tetje: Genau. Du kriegst ein Fatsuit, das kriegen wir schon hin! Ich habe mich echt gefreut, klar. Die Veränderung macht sich bemerkbar, auch im Job. Ich bekomme wieder mehr und andere Angebote, der große Dicke hat sich irgendwie auserzählt.

Was war der Auslöser für dich, auf die Kalorienbremse zu treten – deine kleine Tochter?

Tetje: Definitiv! Es war ein längerer Prozess, der mich dazu gebracht hat. Aber vor allem meine Tochter. Da war auch so ein Lebenserwartungstest, den ich im Internet gemacht habe, wo denn herauskam, pass auf, Alter, in zwei Jahren ist deine Tochter Halbwaise.

Jetzt ist sie fünf Jahre – Spielplatz, Tretboot oder Kletterwald, alles geht?

Tetje: Das mach ich jetzt auch alles mir ihr. Im Kletterwald waren wir gerade, hat super Spaß gemacht. Alles Sachen, von denen ich selbst gar nicht mehr dachte, dass ich die jemals in meinem Leben machen würde.

Fast 70 Kilo zu verlieren – das ist schon kolossal?

Tetje: Ja, das ist natürlich
Arbeit, klar, am Anfang ist das schwer und nach wie vor eine tägliche Herausforderung. Ich bin jetzt hier in Ibbenbüren im Fitnessstudio, aber es gibt ja immer noch leckere Sachen, die muss ich mir eben verdienen.

Die Leute wollen, wenn sie solche Abspeckwunder hören, immer einen Tipp haben. Wie hat der Tetje das gemacht, ist es einfach nur der eiserne Wille?

Tetje: Das Rezept ist, einfach Verantwortung übernehmen, und nicht darauf hoffen, dass eine Zaubernuss präsentiert wird. Also, das Schwitzen gehört schon dazu! Aber wer jetzt irgendwie denkt, er muss eine
Diät machen und mehrere Wochen durchhalten, der hat dann schon verloren. Es ist eine lebenslange Aufgabe, dessen muss man sich bewusst sein.

Du hast ja auch eine stattliche Größe, 1,97 m glaube ich. Was wiegst du im Moment?

Tetje: Jetzt bin ich aktuell bei 105 Kilo, ich hab natürlich jetzt auch Muskeln aufgebaut, da geht das Gewicht rauf. Ich habe einen Körperfettanteil, der weit unter dem Durchschnitt liegt. Wenn alles so bleibt wie jetzt, ist alles perfekt.

Das sei dir gegönnt! Deine Frau Cornelia, mit der du seit 2006 verheiratet bist, ist Fitnesstrainerin und heute vor allem Mutter. Kam in der ersten oberverliebten Phase nie ein Spruch?

Tetje: Nein, nicht ein einziges Mal. Sie hat mich in meiner gewichtsmäßig höchsten Phase kennen und lieben gelernt. Aber das hat nie eine Rolle gespielt bei uns.

Du erwartest für Shrek ein bunt gemischtes Publikum, durchaus auch Familien ?

Tetje: Absolut! Auch für reifere Kids ist das eine absolut unterhaltsame Geschichte, aber es gibt halt auch die tiefergehende Geschichte hinter der Geschichte für die Erwachsenen.

Hast du es damals vor gut 15 Jahren im Kino gesehen?

Tetje: Nein, im Kino habe ich es damals nicht gesehen, aber mittlerweile kenne ich den Film schon.

Da warst du noch nicht Vater, daran lag das. Ich habe „Shrek 2“ mit meinem Sohn im Kino gesehen. Und dann hat der Stoff auch seinen Weg Richtung Musicalbühne genommen, nach New York und London im Oktober 2014 Düsseldorf, Tecklenburg feiert jetzt die erste Open-Air-Erstaufführung …

Tetje: Stimmt genau. Das Musical hat viel Humor, schon einige Preise abgesahnt, zauberhafte Kostüme und viel Tempo.

Du hast im „Wunder von Bern“ in Hamburg fünf Rollen ausgefüllt und auch sonst viel gemacht. Gibt es jetzt schon für dich so eine Art „Shrek“-Lieblingsszene oder einen Song, den du schon morgens unter der Dusche anstimmst?

Tetje: Ja, ich finde diesen Song „Nur ein Wort“ eigentlich sehr, sehr süß, den habe ich ja schon auf der Pfingstgala gesungen. Shrek lässt das erste Mal Gefühle plötzlich zu und weiß noch nicht so richtig, wie er damit umgehen soll. Das erlebt man mit elf oder zwölf in der Pubertät. Das ist eigentlich eine zarte Nummer, weil die einfach mit dieser Figur so bricht. Also, dieser große ungestüme Kerl, der dann plötzlich verliebt ist und einfach seiner Angebeteten sagen will, dass er sie mag, und dass ihm das irre schwer fällt.

Als Prinzessin Fiona wartet Roberta Valentini auf die Befreiung. Stimmt die Chemie zwischen euch?

Tetje: Super, also das war vom ersten Probenabend direkt die gleiche Ebene. Wir sind ein bisschen wie Geschwister, die sich die ganze Zeit ärgern. Das ist für die Rolle eigentlich genau richtig. Passt perfekt!

Gibt’s ein großes Duett?

Tetje: Ja, zum Schluss, natürlich das Duett, wo wir uns füreinander als Paar entscheiden. Vorher haben wir auch schon im zweiten Akt so ein Kurzduett, da batteln wir uns richtig, da pupsen wir um die Wette.

Aha, das klingt ja knallig. Von eseligen Typen sind wir alle umgeben, du sprachst vorhin die sozialen Medien an. Der Esel, dargestellt von Thomas Hohler, spielt eine wichtige Rolle?

Tetje: Ja, der Esel ist eigentlich der, der mit seiner naiven Art den Shrek erst total nervt. Shrek möchte in seinem Mikrokosmos verharren und die Außenwelt ignorieren. Und der Esel knackt ihn, hey, ich akzeptiere dich bedingungslos so wie du bist, es ist mir völlig egal, was die anderen sagen. Und dieser Ton wirkt dann total entwaffnend auf Shrek.

Der Abend wird fett, Chöre, bunt, grell, aber auch mit nachdenklichen Zwischentönen?

Tetje: Absolut, es ist alles dabei. Wir haben Komödie drin, wir haben tragische Momente, wir haben Enttäuschung, ganz viele Gefühle. Also es ist für mich, muss ich ganz ehrlich sagen, emotional irrsinnig anstrengend. Natürlich ist auch körperlich einiges zu tun, ich bin ja fast die ganze Zeit auf der Bühne. Ich leide da emotional echt jedes Mal mit. Aber es ist auch wahnsinnig schön, diese Gefühle zuzulassen. Es gibt nicht so irrsinnig viele Rollen in meiner Ver gangenheit, die halt auch so eine Tiefe zugelassen haben.

Man kann fast von einem Jubiläum sprechen, nach 20 Jahrewieder in Tecklenburg?

Tetje: Da ist was dran. In der „Rocky Horror Show“ war ich Dr. Scott und Eddie. Das ist für mich ein bisschen wie ein Klassentreffen. Da sind so viele engagierte liebe Menschen auf einem Haufen am Start, die sich halt wirklich in einer aufopfernden Weise an dem Ganzen beteiligen, dieses Familiäre und gleichzeitig Professionelle hier finde ich wahnsinnig schön. Es ist ein riesiges Miteinander!
von der ersten und der 12. Seite von ON am Sonntag epaper.osnabruecker-nachrichten.de/ausgabe/ONC_So#
#48462
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Fabius antwortete auf das Thema: Musicalsommer in Tecklenburg

Musicalzentrale hat bewertet:
***** Inszenierung
**** Musik
***** Besetzung
***** Ausstattung
Film-Adaption - Shrek - Ab in den Sumpf
Text: Silke Milpauer
Verbannte Märchenfiguren, eine eingesperrte Prinzessin, die vom Drachen bewacht wird, ein selbstgefälliger Winzlings-Lord mit großen Ambitionen, ein lustiger Esel, ein manierloser Oger und zahllose tanzende Ratten – die erste Großproduktion der Freilichtspiele Tecklenburg in dieser Saison ist ein Fest für alle, die märchenhaft Fantastisches mögen. Mit viel schrägem Humor und Pop-Kultur-Anspielungen, bietet die Polit-Parabel rund um den grünen Oger 'shreklich'-kurzweiligen Spaß für Groß und Klein. Liebhaber fantasievoller, detailreicher Kostüme und spritziger, innovativer Choreografien kommen ebenfalls voll auf ihre Kosten.
"Vorsicht Oger" warnen die Schilder, die in Tecklenburg derzeit überall zu finden sind - und sei es nur in Bierdeckel-Form in den diversen Restaurants. Schon beim Betreten des Zuschauerraums der Freilichtbühne kann man ihn dann auch schon sehen: den Sumpf, in dem der gefürchtete Oger lebt. Die Bühnenbildner haben ganze Arbeit geleistet und die bekannte Steinformation in der Bühnenmitte mit viel grüner und brauner Farbe, Pappmaché und diversen Tauen in Shreks geliebte Heimat verwandelt. Auch hier finden sich Warnschilder, die auf den unleidlichen Oger hinweisen. Auf der Anhöhe rechts von der Bühne sind drei verschieden große Turmzimmer aneinandergereiht, in denen später nacheinander die kleine Fiona, Fiona als Teenager und schließlich die erwachsene Fiona auf Rettung durch einen edlen Ritter hoffen. Einfach wird dieses Unterfangen sicherlich nicht; soviel verrät schon der sich davor schlängelnde lilafarbene Drachenschwanz. Am linken Bühnenrand schließlich, gekennzeichnet durch drei hochkant errichtete Wellbleche, befindet sich die Heimat des diktatorischen Herrschers Lord Farquaad.
Die Kulisse macht Lust auf mehr und signalisiert bereits, dass sich Tecklenburg den Oger-Spaß einiges hat Kosten lassen. Auch die kurzweiligen Eröffnungssequenzen bestätigen diesen Eindruck: Neben Shrek und Fiona, deren bisherige Lebensgeschichten zunächst szenisch umrissen werden, treffen wir erstmalig auf die Märchenfiguren, die der selbstgerechte Lord Farquaad aufgrund ihrer Andersartigkeit aus seinem Reich verbannt hat. Welch eine Kostümschlacht! Max, Moritz, Struwelpeter, Rotkäppchen, Pinocchio & Co. warten mit jeder Menge bunter, liebevoll ausgearbeiteten Kostüme auf. Karin Alberti konnte sich beim Entwerfen der unterschiedlichsten Kostüme voll ausleben und die Kostümabteilung muss die letzten Monate unter Hochdruck gearbeitet haben: Es galt nicht nur Soldatentruppen, einfaches Volk, Lords und Ladies, Drachen und Ratten einzukleiden, sondern auch, der beweglichen Naturkulisse in Form von Sonnenblumen und Bäumen Gestalt zu verleihen. Hand in Hand mit dem Maskenbild (Elke Quirmbach/Stefan Becks) und der Maske (Philip Hager/Gülfidan Söylemez) erhält so jedes Element aus der Shrek`schen Welt sein ganz eigenes charakteristisches Äußeres.
Tetje Mierendorf passt als Shrek wie die Faust aufs Auge und spielt die Titelrolle mit trockenem Humor und einer gehörigen Portion Selbstironie. Sein exzellentes Schauspiel lässt gerne darüber hinwegsehen, dass er nicht der perfekte Sänger ist. An seiner Seite genießt es Roberta Valentini sichtlich, sich auch einmal fernab von dramatischen Rollen ausleben zu dürfen. Sie gibt eine herrlich lebensdurstige, uneitle und streckenweise durchgeknallte Prinzessin Fiona, die dem stereotypen Bild von hübschen, aber hirnlosen Prinzessinnen eine klare Absage erteilt. Großartig das Zusammenspiel von Mierendorf und Valentini am Ende des ersten Akts, wenn das schräge Paar schließlich in rülpsender und furzender Weise ihre Gemeinsamkeiten – und wachsende Sympathien füreinander – entdeckt.
Gesanglich wie darstellerisch herausragend und mit viel komödiantischen Talent präsentiert sich Thomas Hohler als dauerquatschender Esel, der hartnäckig und treu an der Seite des oft mürrischen Heldens verbleibt. Hervorragend ist auch Robert Meyer als Lord Farquaad, den er arrogant und selbstverliebt auslegt. Die Rolle verlangt Meyer auch körperlich einiges ab, da er permanent auf Knien herumrutschen muss, um den Winzling mit Vater-Komplexen zu geben. Der Schlagabtausch, als er am Ende auf seinen Vater trifft und sein vermeintliches Kindheits-Trauma aufarbeiten will, erheitert den Zuschauerraum: "Du hast mich im Wald verlassen!" – "Du warst 28 und hast über der Garage gewohnt!" Kurze, pointierte Wortwechsel wie dieser ziehen sich durch das gesamte Stück und strapazieren die Lachmuskeln ordentlich.
Das Ensemble hat insgesamt viel zu tun, liefert aber durchweg ab. Besonders die Szene, in der Fiona dem Rattenfänger von Hameln (Christian Fröhlich) zeigt, wo es langgeht, beeindruckt: Da steppen sogar die Ratten! Es ist eine Freude, Kati Heidebrechts Choreografien anzuschauen: mal spritzig und leichtfüßig, mal zackig-militärisch wie beim parodistischen Aufmarsch von Lord Farquaads Truppen, aber immer innovativ und mit viel Gefühl individuell auf die jeweiligen Charaktere abgestimmt. Aus dem Ensemble besonders hervorzuheben ist Jennifer Kohl, die als liebestolle Drachendame mit unter die Haut gehender Stimme eine exzellente gesangliche Leistung zeigt. Ob es darum geht, Naturkulisse in Form von Bäumen oder Sonnenblumen darzustellen oder die Bewohner von Duloc zu mimen: Auf den großen Chor und die Statisterie Tecklenburgs ist auch in diesem Jahr Verlass.
Giorgio Radoja feiert in dieser Saison als musikalischer Leiter von "Shrek" seine Tecklenburg-Premiere und dirigiert das große Orchester sicher durch die Partitur von Jeanine Tesori. Nett ist die Musik allemal, auch wenn kein Song so richtig hängenbleiben will. Doch "Shrek" bietet auch ohne Ohrwürmer beste Unterhaltung, wenn man es schräg mag und zum Lachen nicht in den Keller geht. Sound- und Lichtdesign (Sven Trees, Dieter Basner /Roman Dudzinksi) zeigen sich ebenfalls von ihrer besten Seite.
Regisseur Ulrich Wiggers versteht es vortrefflich, seinen Charakteren Leben einzuhauchen und ihr Handeln transparent zu machen. Dabei lässt Wiggers den gesamten Zuschauerraum bespielen und bindet das Publikum an einigen Stellen interaktiv ins Geschehen ein. So hat der Zuschauer das Gefühl, Teil der Handlung zu sein und ist emotional wesentlich involvierter.
Wiggers inszeniert kurzweilig und doch mit dem nötigen Schwerpunkt auf Details. Außerdem bringt er zahlreiche Anspielungen auf die Pop-Kultur ein, etwa wenn plötzlich der Ruf des Spotttöpels aus "Die Tribute von Panem" erklingt. Gröhlendes Gelächter erntet er auch, wenn Shrek nach seiner Ankündigung eine drei Meter hohe Mauer um seinen Sumpf bauen zu wollen, in bester Trump-Manier in Richtung des Esels hinzufügt: "Und du wirst sie bezahlen." Auf viel Anklang stößt Wiggers' Idee, Lord Farquaad mit einem Mini-Roller eine kleine Rampe zur Mitte der Bühne herunterfahren zu lassen: Das sieht nicht nur jedes Mal aufs Neue witzig aus, sondern untergräbt auch das Bild des ernstzunehmenden Herrschers, das Farquaad von sich zeichnen möchte. Der inszenatorische Kniff ist dabei gleichermaßen lustig wie pragmatisch, denn so werden Meyers Knie zumindest etwas geschont.
Trotz allem Spaß und Klamauk: Es besteht kein Zweifel daran, dass sich hinter der märchenhaften Geschichte von Shrek, Fiona & Co eine politische Parabel versteckt. Die Märchenfiguren, die aufgrund ihrer Andersartigkeit in Shreks Sumpf deportiert werden, erfahren ständig Abwertung und werden als „Freaks“ beschimpft. Trotzdem lassen sie sich nicht unterkriegen. Als schließlich Pinocchio mit Überzeugung in den Zuschauerraum ruft: "Ich bin stolz, ich bin aus Holz – und das ist auch gut so!", dann ist die Botschaft klar: Akzeptiert, was und wie ihr seid – egal, was andere davon halten. Und genau wie Pinocchio am Ende über sich hinauswächst, so hat auch Shrek etwas über sich gelernt: Andere in sein Leben zu lassen, ist manchmal gar nicht so verkehrt.
Die Botschaft – und die gleichermaßen emotionale, bunte wie lustige Inszenierung – kommt an und wird vom Publikum am Premierenabend mit minutenlangen stehenden Ovationen honoriert. Wieder einmal ein Volltreffer für Tecklenburg.
aus: musicalzentrale.de/index.php?service=0&s...rvice=2&details=8177
#48486
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Fabius antwortete auf das Thema: Musicalsommer in Tecklenburg

Die Shrek-Fotostrecke ist zu finden unter: www.freilichtspiele-tecklenburg.de/shrek-fotogalerie/
#48494

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Fabius antwortete auf das Thema: Musicalsommer in Tecklenburg

„Freie Fahrt für Freaks“ und grüne Welle im Sumpf der Vorurteile
„Shrek – Das Musical“ feierte Open-Air-Erstaufführung: Ensemble, Regie-Team & Maske in Hochform
Tecklenburg (ON) – Opulente Bilder, märchenhafte Magie, ein bis zur letzten Sumpfpflanze inspiriertes Ensemble und herzhafte Lacher – „Shrek – das Musical“ übertraf in der Open-Air-Erstaufführung die Erwartungen, das Premierenpublikum erhob sich nach einer besonders im ersten und letzten Drittel mitreißenden Inszenierung zu ehrlichen Standing Ovations. Der ungewöhnliche Spielraum der Tecklenburger Burgruine wurde mal wieder besonders kreativ mit prallem Leben gefüllt, so bringt man auch Stücke, die man noch nicht im Herzkanon verankert hat, zum Strahlen.
Absolute Hingucker der Inszenierung sind die detailreichen Kostüme! Wie Menschen da zu Sumpfpflanzen werden und zu Sonnenblumen wechseln, ist schon fantastisch.
Ulrich Wiggers (Regie) kennt den Spielort und spielt die Naturkulisse als Joker aus, die Vorgabe seitens der amerikanischen Rechteinhaber sind eng, aber kein Korsett, die Tecklenburger Note ist unverkennbar. Die Bühnenelemente (Susanna Buller) lassen Überraschungen zu, auf offener Szene wandeln sich die Bilder. Wenn die Ratten mit der Prinzessin tanzen, ist der Applaus sicher. Jede Menge TV-Anspielungen, sogar die Melodie des „Was bin ich?“-Beruferatens erklingt. Wieder einmal garantiert das große Ensemble die magische Power. Die Choreografien von Kati Heidebrecht zünden, das Licht ist besonders im Finale ein Gewinn.
Und die Musik? Es gibt Musical-Konfektionsware, aber auch große Songs wie „Nur ein Wort“, „Das Märchen wird wahr“ oder „Freie Fahrt für Freaks“, das im Schlussapplaus noch mal mit dem Publikum gefeiert wird. Die Band um Leiter Giorgio Radoja rockt beschwingt.
Der imposante, fast zwei Meter große Tetje Mierendorf, der im ON-Interview u. a. über seine neue Leichtigkeit des Seins berichtete, ist als Shrek ein Glücksfall. Gesanglich ist er gut, aber sprachlich eine Wucht! Der auch als Doku- und Synchronsprecher gefragte Darsteller gibt mit seiner sonoren Stimme der Figur eine reife Selbstverständlichkeit und dem Abend einen erwachsenen Grundton. Worum geht’s? Um Vertreibung, Unrecht und den Umgang mit Fremdartigen. Lord Farquaad (die Szenen mit Robert Meyer sind schreiend komisch, als Minimalist agiert er auf den Knien, fährt mit einen Lastenrollbrett vor), verbannt sämtliche Fabel- und Märchenwesen in den Sumpf von Shrek. Damit die wieder zurückdürfen, schließt Shrek einen Pakt mit dem Lord: Er befreit Prinzessin Fiona (je später der Abend, desto besser ihre Szenen) aus dem von einem Drachen (feurige Szenen: Jennifer Kohl) bewachten Turm...
Diese heiratet dann dankbar den Lord, der schließlich König wird. So ist das Ding geplant. Der Esel (richtig gut: Thomas Hohler), Shreks bester Kumpel, ist dabei. Alles klappt, nur die Liebe ist eben ein seltsames Spiel. Fiona, die einen geheimnisvollen Fluch überwinden muss, verliebt sich in Shrek. Und im Lauf der Dinge fängt auch der Esel Feuer und verknallt sich prompt in die Drachenlady.
„Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“ – das ist der letzte Satz. „Shrek – Das Musical“ ist vor allen märchenhaft, farbenfroh und schrill, aber da ist auch der Aufruf, im Sumpf unserer mitunter doch sehr kleinkarierten Handlungsmuster Respekt und Toleranz einziehen zu lassen. Freaks können uns lehren, populistische Grauzonen zu überwinden; Mauern nicht zuzulassen und kleingeistige Maschendrahtzäune durchlässig zu machen. Wer sich auf Märchenbilder und fröhliche Animation einlassen kann, wird diesen leichten Musical-Abend lieben, der Erwachsenen und Kindern (so ab 10) nach rund 160 Minuten (eine Pause) gleichermaßen von den Bänken reißt. Wenn Pupsen die Sprache der Liebe ist, eine kleine Pupssinfonie die Schüchternheit löst und zusammenwachsen lässt, was zusammengehört, muss sich der gute Geschmack nicht erschrecken. Gerade hat er sein verhärtetes Ogerherz um einen Spalt geöffnet, da rasselt ein Wohlfühlfurz aus dem beträchtlichen Körper. Das ist eben Shrek!
Bisher sprachen alle von „Rebecca“ (Premiere am 21. 7.), der Vorverkauf für die Vorstellungen läuft sensationell, aber „Shrek – Das Musical“ hat das Zeug zum Sommerhit. Bei der Premiere mit gut 1000 Besuchern war noch Luft nach oben, aber der Applaus war unüberhörbar.
„Shrek“ wird bis zum 27. 8. noch 20 Mal gezeigt, die nächsten Termine: 23. 6. (Fr.), 24. 6. (Sa., jeweils 20 Uhr). Karten und Infos gibt es an der Theaterkasse der Freilichtspiele Tecklenburg, Tel. 0 54 82/220.
aus Seite 5 ON am Mittwoch epaper.osnabruecker-nachrichten.de/ausgabe/ONC_Mi#
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