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Schwache Handlung – gut besetzt: KOLPINGS TRAUM in Fulda

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Am Freitag feierte Spotlight Musical die dritte und letzte Premiere des ersten Musicalsommers in Fulda. Dabei fand KOLPINGS TRAUM in der zweiten Laufzeit in Fulda großen Anklang beim Publikum, auch wenn die Geschichte Adolph Kolpings für ein Musical wenig Spannung bietet.

Adolph Kolping war ein Sozialreformer, der in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen ist. Früh verlässt er seine Anstellung als gelernter Schuhmacher, um Theologie zu studieren. 1845 empfing er seine Priesterweihe und versuchte anschließend die Distanz zwischen arm und reich zu verringern. Durch Gesellenvereine bringt er Gleichgesinnte zusammen, die sich fortan gegenseitig unterstützten. Bis zu seinem Tod 1865 entstehen mehr als 400 dieser Vereine.
    
Sicherlich hat Adolph Kolping in seinem Leben viel Gutes getan, Menschen Hoffnung und einen Ausweg in schwierigen Situationen gegeben und verdient es, dass 150 Jahre nach seinem Tod an ihn erinnert wird. Allerdings bietet die Geschichte wenig Spannung und ist stets vorhersehbar, da sich der Charakter Kolpings in der dargestellten Zeitspanne seiner Schusteranstellung bis zur Gründung des ersten Gesellenvereines nicht verändert. Für den Menschen Adolph Kolping eine positive Eigenschaft, für das Musical KOLPINGS TRAUM gleichzeitig aber auch ein Merkmal, das einen Besucher nicht häufig in den Bann ziehen kann.

Dies soll aber auch das einzige Negativmerkmal bleiben, denn auch wenn das Musical nicht zu überraschen weiß, so kann KOLPINGS TRAUM auf die hohe Qualität der Spotlight Musicals aufbauen. Zeitgemäße Kostüme, ein durchdachtes und vielseitiges Bühnenbild, einprägsame Musik und nicht zuletzt eine herausragende Besetzung.

Die Hauptrolle wird dabei durch Maximilian Mann besetzt, der die Gefühle Kolpings schauspielerisch und gesanglich authentisch vermitteln kann. Als Kolping in hohem Alter führt Léon van Leeuwenberg durch die Handlung. Auf ein Solo oder erwähnenswerte Handlungen muss das Publikum von ihm verzichten. Ganz im Gegensatz zu Claus Dam, der in den drei unterschiedlichen Werken im Musicalsommer Fulda seine beeindruckende Vielseitigkeit unter Beweis stellen konnte. Als „Fabrikant Karcher“ zeigt er sich als reicher und seine Mitarbeiter ausbeutender Geschäftsmann, der sein Motto „Geld regiert die Welt“ wunderbar auslebt. Das Duett „Der Irrtum meines Lebens“ mit Tina Haas in der Rolle seiner kranken Ehefrau „Frieda“, der er nur noch wenig Beachtung schenkt, wird zum Showstopper des ersten Aktes, bei dem das Publikum die perfekte Darbietung beider frenetisch feiert.

Dennis Henschel als Kolpings bester Freund „Karl Wagner“ und Sabrina Weckerlin als dessen Partnerin „Susanne“ überzeugen ebenfalls in ihren Rollen. Henschel schafft es die Verzweiflung seine Familie nicht ernähren zu können und die Entschlossenheit für eine Verbesserung zu kämpfen gut zu verbinden. Die gefühl- und kraftvolle Stimme Weckerlin’s passt perfekt zur besorgten, aber auch selbstbewussten Mutter seiner Kinder.

Spotlight Musical schafft es im Schlosstheater Fulda eindrucksvoll verschiedene Örtlichkeiten auf die Bühne zu bringen. Viele Elemente des Bühnenbildes werden mit wenigen Handgriffen zu neuen Orten oder Perspektiven. Seltener kommt es zu störenden Umbaugeräuschen, wenn Musik in Szenenwechseln endet oder Dialoge stattfinden.

KOLPINGS TRAUM kann gegenüber den kurz zuvor aufgeführten Musicals von Spotlight zwar nicht gleichauf punkten, zeigt aber in aller Deutlichkeit wie professionell die Produktionsfirma arbeitet und insbesondere wie vielseitig die herausragenden Darsteller sind. Viele dieser schlüpften in den vergangenen Wochen in die unterschiedlichsten Rollen – auch innerhalb eines Werkes. Spotlight selbst macht aber durch die Laufzeiten der einzelnen  Musicals („Die Päpstin“ 23 Tage, „Friedrich – Mythos und Trägödie“ 15 Tage, „Kolpings Traum“ 9 Tage) und der Tatsache, dass Kolpings Leben 2015 nicht erneut zur Aufführung kommt, klar, dass das eigene Portfolio spannendere Geschichten beinhaltet. Zudem verlässt die Produktionsfirma im kommenden Jahr die Tradition Musicals über historische Persönlichkeiten zu schreiben und wird ab dem 17. Juli 2015 mit der Welt-Uraufführung von „DIE SCHATZINSEL“ mit Sicherheit die hohen Erwartungen der Besucher weiterhin erfüllen.

Cast

Der junge Kolping: Maximilian Mann
Karl Wagner: Dennis Henschel
Susanne, seine Frau: Sabrina Weckerlin
Fabrikant Karcher: Claus Dam
Frieda, seine Frau: Tina Haas
Der alte Kolping: Léon van Leeuwenberg
Lehrer Breuer/Kaplan Kerpen/Meister Beck/Ensemble: Dietmar Ziegler
Bürgermeister Carnap: Kristian Lucas
Meister Kerpen/Hauptmann/Ensemble: Robert Schmelcher
Eisenstein/Ensemble: Sascha Kurth
Klara, Karchers 2. Frau/Zimmermädchen/Ensemble: Larissa Windegger
Wirtin/Ensemble: Tamina Ciskowski
Ensemble: Maximilian Klakow, Michael Scheel, Karolin Konert, Yasuko Kayamori, Stephan R. Przywara
Extra-Ensemble: Franziska Bonk, Katharina Brehl, Kristin Heil, Katharina Quanz, Victoria Jenschke, Jörg Alt, Manuel lhm, Michael Eloy Werthmüller, Marco Simowsky
Kinder: Jamie Babilon, Matilda Martin, Lena Michel, Zoe McGilvray, Finn McGilvray