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Perfekt inszeniert: Marie Antoinette in Tecklenburg

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Perfekt inszeniert: Marie Antoinette in Tecklenburg

Auch wenn dem Musical in Bremen 2009 der große Erfolg verwehrt wurde, konnte sich der Intendant der Freilichtbühne Tecklenburg, Radulf Beuleke, sicher sein, mit Marie Antoinette einen Volltreffer beim Publikum landen zu können, denn große Stücke brauchen eine große Bühne.


Rezensierte Vorstellung: 03.08.2012

Diese ist in Tecklenburg wahrlich gegeben, auch wenn bei einer Open-Air-Inszenierung einige Hürden zu meistern sind. Doch Radulf Beuleke kennt die Magie des Kunze & Levay-Musicals und schafft es durch eine optimale Besetzung meisterlich die Wege der französischen Königin Marie Antoinette (Anna Thorén) und der Bettlerin Margrid Arnaud (Sabrina Weckerlin) zur Zeit der Französischen Revolution (1789 bis 1799) auf der Freilichtbühne Tecklenburg zu kreuzen. Marie Antoinette steht dabei exemplarisch für den königlichen Adel, der auf Kosten seiner Bürger in Saus und Braus lebt; Margrid Arnaud als Bettlerin für das arme Volk, das verzweifelt zu überleben versucht und sich durch sie als Anführerin gegen den Staat auflehnt.

Immer wieder in die Geschichte eingreifend ist Cagliostro (Yngve Gasoy-Romdal) zu sehen, dem Michael Kunze in der Tecklenburger Inszenierung mehr Präsenz durch weitere Handlungscharaktere verschafft. Auch ein neuer Titel („Wenn Wölfe heulen") ist von ihm zu hören, den Yngve Gasoy-Romdal eindrucksvoll präsentiert. Überhaupt steht ihm die Rolle des Cagliostro gut und sichert ihm als Handlungscharakter eines Waschweibes viel Applaus.

Ebenso überarbeitet wurde die Affäre rund um ein Halsband, das Marie Antoinette angeblich gekauft haben soll. War der Handlungsablauf in der Bremer Inszenzierung nicht für jeden auf Anhieb verständlich, so wurde in Tecklenburg das neue Lied „Es ist nicht so" leicht erklärend eingesetzt.

Auf der großen Tecklenburger Bühne, die sich neben dem Hauptelement mit zwei Ebenen und den beiden Toren nun auch noch über eine Drehbühne erstreckt, finden alle Szenen des Musicals gekonnt Platz. Letztere dient dabei als Gefängnis und Stellplatz für eine hohe Guillotine. Durch die Tecklenburger Burgruine findet sich Marie Antoinette dabei auf einem realistischen Schauplatz wieder, der besonders durch den Einsatz von mehr als 100 Darstellern den Aufstand des Volkes zur Französischen Revolution gut widerspiegeln und für Gänsehautmomente sorgen kann, denn diese gibt es bei Marie Antoinette reichlich. „Blind vom Licht der vielen Kerzen" und „Ich weine nicht mehr" sind dabei musikalische Höhepunkte, die durch die Kombination des großen Ensemblechores und der fantastischen Stimme Sabrina Weckerlins und ihrem großen Schauspieltalent ein unbeschreibliches Gefühl bei den über 2.000 angereisten Besuchern auslöst.

Aber auch die weiteren Rollen sind bestens besetzt. Anna Thorén überzeugt als verschwenderische Königin Frankreichs und ihrer charakterlichen Veränderung nach dem Aufstand des Volkes auf ganzer Linie. Patrick Stanke als Graf Axel von Felsen steht dem in Nichts nach und rührt das Publikum besonders beim Liebesduett „Gefühl und Verstand". Auch Wietske van Tongeren (Agnés Duchamps), Anne Welte (Madame Lapin) und Frank Winkels (Louis XVI.) bewiesen, dass Sie für Ihre Rollen eine sehr gute Wahl sind und runden damit das Gesamtbild einer perfekten Besetzung ab. Marc Clear ist es neben seiner Rolle als Herzog von Orléans jedoch zu verdanken, dass dieses Stück in Tecklenburg so wunderbar umgesetzt wurde, da er für Marie Antoinette auch die Regiearbeit übernahm.

Marie Antoinette erhält in Tecklenburg nun endlich den Erfolg, den das Kunze & Levay-Musical dank spannender Geschichte und großartiger Musik zurecht verdient. So bleibt am Ende nur noch die Feststellung, dass sich die Freilichtbühne mit dieser Inszenierung wieder einmal selbst übertroffen hat.

Marie Antoinette ist noch bis zum 26. August 2012 auf der Freilichtbühne Tecklenburg zu sehen. Verpassen sollte man das Open Air-Highlight nicht, man würde es ganz sicher bitter bereuen.

Weitere Informationen zu Marie Antoinette in unserem Musical-Lexikon

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