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Nicht von schlechten Eltern: MAMMA MIA! in Köln

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Nicht von schlechten Eltern: MAMMA MIA! in Köln Jukebox-Musicals haben einen schwierigen Stand unter den enthusiastischen Musicalfans. Oftmals wird um die bekanntesten Hits eines Interpreten eine meist austauschbare Geschichte gestrickt. Im Fall von MAMMA MIA! ist dies im ersten Moment nicht anders. Auch hier gab es bereits die Titel bevor die Handlung gefunden wurde. Doch ist es tatsächlich verblüffend, dass Titel und Handlung so stimmig sind, als wäre dieses Musical einen typischen Weg gegangen von der Handlung zu den Songs. Das überraschte selbst die Original-Interpreten Benny Andersson und Björn Ulvaeus, die das Werk von Anfang bis zum Ende kritisch begleitet haben. Schlussendlich gibt Ulvaeus zu: „Das ist das Musical, von dem wir nicht wussten, dass wir es geschrieben haben.“


Bis dahin war es allerdings für die Produzentin Judy Cramer ein langer Weg. Seit den 80ern hatte sie die Vision eines Musicals und durfte 1997 endlich das zugehörige Buch schreiben. Dabei konnte sie aus einem Portfolio mit 90 Titeln aus den Vollen und schaffte es schließlich sogar alle großen Hits situationsgenau in eine unterhaltsame Geschichte zu packen. Seit 1999 begeistert MAMMA MIA! weltweit die Massen.

Auf einer kleinen griechischen Insel steht die 20-jährige Sophie (Katharina Gorgi) kurz vor ihrer Hochzeit mit Sky (Marvin Kobus Schütt). Ihren Vater hat sie nie kennengelernt, wünscht sich jedoch traditionsgerecht von diesem zum Altar geführt zu werden. Als sie ein Tagebuch ihrer Mutter Donna (Sabine Mayer) entdeckt, ist sie ihrem Ziel auf der Spur. Allerdings kommen dem Tagebuch nach drei Väter in Frage: Bill (Oliver Koch),  Harry (Detlef Leistenschneider) und Sam (Karim Khawatmi). Sie ist sich sicher den richtigen auf Anhieb zu erkennen und lädt die drei im Namen ihrer Mutter zur Hochzeit ein. Diese weiß davon allerdings nichts und ist ratlos wie erschrocken als sie erneut auf ihre Jugendlieben trifft.

Die Welthits von Abba sind bis heute unvergessen und erleben immer wieder ein Comeback. Insbesondere die prominente Musicalverfilmung aus dem Jahr 2006 führte zu einem regelrechten Hype, der im gerade erschienenen zweiten Teil seine Fortsetzung erlebt. Abba führt Generationen zusammen, nicht nur vor der Bühne beim gemischten Publikum von jung bis alt, sondern auch im Scheinwerferlicht. Das Werk ist nämlich auch auf der Bühne generationsübergreifend ausgeglichen. Sowohl drei Frauen mittleren und jungen Alters, wie auch drei Männer derselben Jahrgänge geben erfahrenen und nachrückenden Talenten die Möglichkeit in einem dankbaren Musical zu agieren. Dabei gehören Sabine Mayer (Donna), Betty Vermeulen (Tanja) und Barbara Raunegger (Rosie) längst nicht zum alten Eisen und beweisen sich eher als Institution. Seit vielen Jahren verkörpern sie regelmäßig die „Dynamos“ und schaffen es durch ihre natürliche und selbstironische Art das Publikum im Sturm zu begeistern. Auch Karim Khawatmi (Sam) und Detlef Leistenschneider (Harry) merkt man positiv an, dass sie schon öfter als potentielle Väter zur Insel gereist sind. Anstelle von Jörg Zuch war bei der Premiere  Oliver Koch zu sehen. Er fügt sich nahtlos als dritter Vater im Bunde (Bill) in die Handlung ein. Die jüngere Generation wird vertreten von den Frauen Katharina Gorgi (Sophie), Livia Wrede (Ali) und Abla Alaoui (Lisa), sowie den Männern Marvin Kobus Schütt (Sky), Timo Muller (Eddie) und Matthew Bailey (Pepper). Im Mittelpunkt steht von diesen die gebürtige Wienerin Katharina Gorgi. Bereits mit 10 Jahren trat sie an der Volksoper Wien im Musical THE SOUND OF MUSIC auf. Seither bildete sie sich fort und bewies auch schon im Raimundtheater ihr großes Talent. Mit engelsgleicher Stimme und authentischem Schauspiel zeigt sie sich als Idealbesetzung der Hauptrolle. Überdreht wird die Handlung zusätzlich noch durch ein 14-köpfiges Ensemble, das für zusätzliche Spaßmomente sorgt.

Die Hits werden nicht im englischen Originaltext präsentiert, finden in der Übersetzung von Michael Kunze aber sehr schnell gefallen und sichern so, dass das bunt gemischte Publikum sicher folgen kann. Über das Soundsystem des Musical Dome Köln wird der kraftvolle Sound der sechsköpfigen Band unter der Leitung von Aday Rodriguez Toledo perfekt übertragen.

Überraschenderweise lenkt MAMMA MIA! durch die allesamt charismatischen Rollen von einem sehr spartanischen Bühnenbild ab. Zwei Konstrukte aus mehreren Rechtecken bilden die Taverne, die Donna auf der Insel betreibt. Da sich aber die gesamte Handlung darauf abspielt, sind tatsächlich auch nur noch wenige Requisiten nötig, um die Geschichte kompromisslos zu erzählen. Und dies geschieht ganz ohne künstliche Verlängerung. Die Handlung ist äußerst kurzweilig, so dass man nach über eine Stunde des ersten Aktes zur Pause ungläubig auf die Uhr schaut. Langeweile findet sich in MAMMA MIA! auch nicht. Von der ersten bis zur letzten Minute ist gute Unterhaltung garantiert. Bei mitreißender Musik dargeboten von echten Charakteren mit starken Stimmen zeigt sich eine Geschichte mitten aus dem Leben mit gutem Witz und Happy End. MAMMA MIA! überzeugt und stellt zurecht die Frage: War die Musik wirklich zuerst da?

MAMMA MIA! gastiert für sechs Wochen bis zum 18. November 2018 im Musical Dome Köln. Es folgt eine kürzere Spielzeit vom 19. Dezember 2018 bis 12. Januar 2019 an der alten Oper in Frankfurt.


Besetzung:

DONNA: Sabine Mayer
TANJA: Betty Vermeulen
ROSIE: Barbara Raunegger
SOPHIE: Katharina Gorgi
ALI: Livia Wrede
LISA: Abla Alaoui
SAM: Karim Khawatmi
HARRY: Detlef Leistenschneider
BILL: Oliver Koch
SKY: Marvin Kobus Schütt
EDDIE: Timo Muller
PEPPER: Matthew Bailey


Foto: Stage Entertainment

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