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Nach 20 Jahren immer noch bissig: TANZ DER VAMPIRE in Köln

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Es gibt Musicals, die zum Klassiker werden und Musicals, die schon immer eben solche waren. Die Faszination von TANZ DER VAMPIRE hält bereits über 20 Jahre. Nimmt sie ab? Niemals. Das Musical mit der Musik von Jim Steinman und Texten von Michael Kunze basierend auf Roman Polanski’s gleichnamiger Horrorkomödie beweist immer wieder aufs Neue, dass es schon 1997 ein Meisterwerk war.


Unbestritten: Kein Musical hat in Deutschland eine größere Fanbase als TANZ DER VAMPIRE. Nachdem die Erstaufnahme Wiens vor 20 Jahren die deutschen CD-Player und zwei Jahre später die erste nationale Bühne eroberte, war der moderne Vampir-Hype ausgelöst lange bevor es die „Twilight-Saga“ gab. 2013 sollte dann tatsächlich ein letzter Tanz stattfinden, doch die unstillbare Gier der Fans sorgte schon nach zweieinhalb Jahren für das nächste Comeback der Vampire, deren Anhänger sich dieses nicht umfangreicher hätten ausmalen können. Berlin, Stuttgart, Hamburg, München, parallel in Östereich und der Schweiz und seit wenigen Tagen erstmalig in Köln hat der Besucher tatsächlich die Qual der Wahl und kann zumindest bei der unaufhaltsamen „Grafenfrage“ nicht mehr meckern. Oder doch?

Die Rolle des „Graf von Krolock“ ist für viele männliche Musicaldarsteller der größte Traum. Weit über zehn Darsteller verkörperten den mysteriösen Schlossherrn, dessen Charakter 1997 durch Steve Barton kreiert wurde, der 2001 unerwartet verstarb. Seine Nachfolger fanden anschließend immer wieder zu dieser Rolle zurück und tragen unter Anderem die Namen Kevin Tarte (seit 2000) Thomas Borchert (seit 2003), Jan Ammann (seit 2008) oder Drew Sarich (seit 2010). Nicht nur diese bewohnten seit dem Comeback wieder die Gruft; auch Mathias Edenborn, Mark Seibert und David Arnsperger dürfen es sich dort seit letztem Jahr gemütlich machen. Viel Auswahl für das Vampir-Fanherz und doch reißen unzählige Kommentare nicht ab, wer denn nun der beste Graf sei. Die Antwort ist einfach: Jeder Darsteller interpretiert die Rolle auf eine eigene Art und beweist damit wie vielschichtig das Genre Musical ist. Und so wird auch TANZ DER VAMPIRE in Köln zu einem anderen Erlebnis als in Berlin oder Wien.

Die Geschichte bleibt seit zwei Jahrzehnten unverändert unterhaltsam. Professor Abronsius (Victor Petersen) reist mit seinem Studenten Alfred (Tom van der Ven) nach Transsilvanien, um Vampirismus zu erforschen. Sie finden Unterschlupf im Wirtshaus von Chagal (Jerzy Jeszke), wo Alfred auf dessen Tochter Sarah (Maureen Mac Gillavry) trifft und sich Hals über Kopf in sie verliebt. Sarah wird von ihrem Vater vor Männern versteckt und sehnt sich als 17-jährige Heranwachsende nach Freiheit. Eines Tages erhält sie Besuch des Grafen von Krolock (David Arnsperger), der sie auf mystische Weise zu einem Ball auf sein Schloss einlädt. Getrieben vor Neugier und hungrig nach Glück macht sie sich nachts auf den Weg. Alfred trifft sie kurz zuvor und erfährt von ihren Plänen, die er sofort seinem Lehrer mitteilt. Sie folgen dem Mädchen zum Schloss und treffen auf den Grafen, der ihnen mit dürstenden Absichten Unterkunft gewährt. Beim „Ball des Jahres“ kommt es dann zum großen Showdown.

Einen Klassiker wie TANZ DER VAMPIRE bewertet man nicht mit Samthandschuhen. Zu groß sind die Erwartungen an dieses Werk, das man selbst schon oft gesehen hat und künftig noch öfter sehen möchte. Die „Grafenfrage“ trübt dabei zumindest nicht bei mir die Vorfreude – im Gegenteil. Ich freue mich bei jedem neuen Grafen darauf dessen Facetten zu entdecken. So hat auch David Arnsperger einen ganz eigenen Stil der Rolle gerecht zu werden. Im Interview erzählte er diese weicher zu spielen.

Interview mit David Arnsperger

Und in der Tat ist seine Ausstrahlung und auch der Gesang zu Beginn freundlicher, in späteren  Szenen zeigt er aber auch gekonnt, dass seine Exzellenz das bestimmende Oberhaupt der Spezies ist. Sein kraftvoller Gesang fesselt und lässt auch erfahrenen Besuchern einen Schauer über den Rücken laufen. Ihr professionelles Musicaldebüt haben die beiden Niederländer Maureen Mac Gillavry und Tom van der Ven als „Sarah“ und „Alfred“. Beide haben vier Jahre zusammen studiert und dürfen ihr größtes Engagement nun gemeinsam teilen.

Interview mit Maureen Mac Gillavry

Dass diese beiden verhältnismäßig wenig Erfahrung aufweisen, merkt man ihnen in keiner Sekunde an. Im Gegenteil, denn ihre Jugendlichkeit schafft eine perfekte Authentizität der Rollen, die durch leichten Akzent sogar noch unterstrichen wird. Beide geben sich die größte Mühe ihre Sprachherkunft zu unterdrücken, was ihnen auch gut gelingt. Bei manchen Worten kommt sie dann leicht aber in keinster Weise negativ zum Vorschein. Jerzy Jeszke perfektioniert die Rolle des „Chagal“ tadellos seit 2012 und auch Christian Funk überzeugte als „Herbert“. Für dessen Rolle hatte sich auch Victor Petersen beworben. Zum Glück haben die Kreativen ihm die Rolle des „Professor Abronsius“ ans Herz gelegt, denn seine Darbietung war im wahrsten Sinne des Wortes quietschend komisch. Die Aussprache weiterer Nebendarsteller war teilweise ausbaufähig.

Interview mit Victor Petersen


Das Tanz-Ensemble zeigte sich in absoluter Perfektion und wurde hierfür auch lobend vom gut gelaunten Publikum mit Applaus belohnt. Das mit zwölf Mitgliedern hierzulande schon fast überzählige Orchester präsentierte das vielfältige Werk ohne Abstriche in bestem Klang.

Nach 20 Jahren ist und bleibt TANZ DER VAMPIRE das beliebteste Musical der Deutschen. Das zeigte schon der Vorverkauf für Köln, bei dem vor der Premiere schon über 100.000 Tickets als Musical-Rekord für den Musical Dome Köln verkauft wurden. TANZ DER VAMPIRE ist bis zum Maximum verlängert. Die Derniere findet am 29. September 2018 statt.

Das Produzenten- und Kreativteam der Stage Entertainment zeigt in Zusammenarbeit mit dem Veranstalter BB Promotion, dass das Werk dem Wünschen der Fans gerecht bleibt und ohne Einbußen als Tour Jedem die Möglichkeit gibt daran teilzuhaben, denn wie steht es so treffend im Programmheft: „Wir brauchen die Wesen, die uns helfen das Unerklärliche zu erklären.“

Fotos: © Jens Hauer

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