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Intelligent und dramaturgisch spannend: DIE SCHATZINSEL in Fulda

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Intelligent und dramaturgisch spannend: DIE SCHATZINSEL in Fulda
Am gestrigen, heißen Sommertag legte das Piratenschiff „Hispaniola“ am Schlosstheater Fulda an, um die Besucher der Premiere auf eine abenteuerliche Reise nach dem Schatz von Kapitän Flint, aber auch durch das Leben des Schriftstellers Louis Stevenson zu entführen. Das neue Werk von Spotlight Musicals verknüpft die Charaktere des Piratenabenteuers intelligent mit Personen im Leben des Autoren und bildet mit gelungen Choreographien und aufbauender Dramaturgie ein anspruchsvolles und mitreißendes neues Werk mit gewohnt erstklassiger, musikalischer Handschrift von Dennis Martin.

Bereits vor acht Jahren planten Dennis Martin und Produzent Peter Scholz die „größte Piratengeschichte aller Zeiten“ als Musical auf die Bühne zu bringen. Die schnelle Realisation scheiterte aber am Anspruch des Erfolgsteams. Der Zuschauer sollte nicht einfach nur die weltweit bekannte Piratengeschichte, sondern insbesondere auch die Person kennenlernen, aus dessen Feder diese entstammt: Louis Stevenson (Friedrich Rau). 1850 in Balfour, Edinburgh, als einziger Sohn des  Ingenieurs Robert Stevenson (Norbert Lamla) geboren, litt Louis wie auch seine Mutter Margaret Isabella Stevenson (Tamina Ciskowski) an einer Atemwegserkrankung. Auf Drängen seines Vaters wird er Anwalt, hegte aber immer den Wunsch Schriftsteller zu werden. In Frankreich lernt Louis dann die zehn Jahre ältere Fanny Osbourne (Anna Thorén) kennen. Eine Malerin, in die er sich verliebt und durch deren jungen Sohn Lloyd (Claudius Ruppel) Stevenson zur Piratengeschichte inspiriert wird.

Für Spotlight Musicals „kommt ein Musical nur schwer ohne eine Liebeshandlung aus“. So fand das Autorenteam in der Piratengeschichte viele Parallelen zu Stevenson’s Leben und wechselt fließend von der Biographie zur Buchhandlung. Der Autor wird so selbst zum Schiffsarzt „Dr. Livesey“ und im späteren Verlauf zum Piraten „Ben Gunn“. Sein Vater passend zum dirigierenden Kapitän „Smollet“. Auch weitere Personen finden eindrucksvoll ihren Platz im Seeabenteuer. An diese Wechsel gewöhnt sich der Zuschauer durch Kostümwechsel recht schnell und taucht im ersten Akt immer wieder kurz in das Abenteuer ein, bevor das Schiff zu Beginn des zweiten Aktes Fahrt aufnimmt. Die drehbare Bühnenkonstruktion schafft funktional schnelle Wechsel zwischen den Erzählebenen und ist bis zur Bühnendecke begehbar, wodurch die Größe des Schiffes gut symbolisiert wird. Projektionen und Filmsequenzen helfen dabei volle Kraft voraus die Insel zu erreichen. Fulminant gelöst ist das Erreichen der Schatzhöhle, in der sich das Publikum wiederfindet und zuvor hautnah das Ensemble in den Rängen erleben darf. Dramaturgisch erlebt das Werk hier seinen Höhepunkt als Louis Stevenson sich selbst das Hemd vom Leib reißt, mit Blut beschmiert und sich in rotem Lichtschein in der eigenen Geschichte als totgeglaubter Pirat „Ben Gunn“ wiederfindet. Ein Hauch „Jekyll & Hyde“, dessen Romanvorlage ebenfalls aus der Feder Stevenson’s stammt, ist spürbar und mitreißend.

Die Besetzung in Fulda lässt keine Wünsche offen. Neben dem vielseitigen Ensemble wechseln die Hauptdarsteller gekonnt zwischen Biographie und Abenteuer. Friedrich Rau in der Hauptrolle des erkrankten „Louis Stevenson“ ist absolut authentisch und im weiteren Verlauf als „Dr. Livesey“ bis hin zum Piraten „Ben Gunn“ gar brillant. Anna Thorén als „Fanny Osbourne/Mrs. Hawkins“ spielt leidenschaftlich und harmoniert im gemeinsamen Duett („Haben wir noch den Mut zu träumen?“). Norbert Lamla ist als Vater „Robert Stevenson“ bereits zu Beginn äußerst ausdrucksstark („Wach endlich auf, mein Sohn“) und leitet als Kapitän „Smollet“ gekonnt selbstbewusst das Schiff („Ich bin das Kommando“). Bei den Piraten begeistert Frank Logemann als „Billy Bones“ unterhaltend das Publikum und Andreas Lichtenberger entpuppte sich bereits bei der Pressekonferenz im Oktober letzten Jahres als Idealbesetzung. Seine kraftvolle Stimme und imposante Bühnenpräsenz als „Long John Silver“ fesseln und „HiHoo“ geht dem Besucher nicht mehr aus dem Kopf. Doch neben den professionellen und bekannten Darstellern sticht Kinderdarsteller Claudius Ruppel besonders hervor und meistert die vielen Szenen und unterschiedlichen Ebenen auf Augenhöhe mit den Professionellen und darf sich fortan selbst so nennen.

DIE SCHATZINSEL trägt als neues Werk des Komponisten Dennis Martin in Zusammenarbeit mit Christoph Jilo und Wolfgang Adenberg musikalisch den typischen Ohrwurm-Charakter des renommierten Produktionsteams, der mit Piratensound spannend klingt, bei manchen Titeln auch an vorherige Produktionen erinnert. Dem hohen Anspruch des Kreativteams ist es dabei zu verdanken, dass neben der geschaffenen Piratenwelt auch der Autor ins rechte Licht gerückt wird. Durch die intelligente Verknüpfung der Rollen untereinander entsteht ein spannendes Werk, das sich insbesondere im zweiten Akt dramaturgisch steigern und mit der Botschaft die Freiheit der Fantasie im Leben nicht zu verlieren schlussendlich das Publikum begeistern kann. Die Premierengäste feierten alle Beteiligten zurecht mit nicht enden wollendem Applaus.

DIE SCHATZINSEL ist noch bis zum 16. August diesen Jahres im Schlosstheater Fulda zu sehen. Dabei sollten rechtzeitig Tickets gesichert werden, da das neueste Werk von Spotlight Musicals im kommenden Jahr nicht erneut in Fulda aufgeführt wird, da mit DER MEDICUS nach dem Weltbestseller von Noah Gordon bereits das nächste Werk in den Startlöchern steht und den Musicalsommer 2016 im Schlosstheater vom 17. Juni bis 28. August 2016 dominieren wird.  Zuvor wurde das Werk bereits am 16. Mai diesen Jahres unter der Regie von Stanislav Slovák im Theater Brno (Tschechien) gezeigt, wo es vom 21. bis 23. September ebenfalls noch einmal angesehen werden kann.

Leider war die CD-Aufnahme zur Premiere noch nicht fertig gestellt. Diese kann jedoch im Theater versandkostenfrei vorbestellt werden.