Jetzt läuft


Musicalswünschen
oder verwende die erweiterte Suche
10 Zufallstitel

Großes, grünes Gag-Feuerwerk: SHREK in Düsseldorf

Artikel bewerten
(1 Stimme)
Großes, grünes Gag-Feuerwerk: SHREK in Düsseldorf

1990 veröffentlichte der damals 82-jährige, amerikanische Cartoonist William Steig das Kinderbuch „Shrek!“, dessen jiddischer Name übersetzt „Schrecken“ bedeutet. 11 Jahre später wird die Geschichte um den grünen Oger weltbekannt, als DreamWorks diese als Animationsfilm „Shrek – der tollkühne Held“ zum internationalen Kinoerfolg avancierte, der mit einem Oscar als bester Animationsfilm belohnt wurde. 2003 verstarb Steig mit 95 Jahren in Boston. Es folgten drei Fortsetzungen und die Weltpremiere von SHREK – THE MUSICAL 2008 am Broadway Theatre und 2011 am Londoner West End. Nach Israel, Polen, Spanien, Frankreich, Brasilien, Italien und den Niederlanden fand der grüne Oger am Sonntag auch endlich seinen Platz im Capitol Theater Düsseldorf und feierte deutschsprachige Erstaufführung.


In der Märchenwelt herrscht Lord Farquaad (Carsten Lepper). Ein äußerst kleiner und herrschsüchtiger Mensch, der Fabelwesen für abscheuliche Kreaturen hält, die in seinem Königreich nichts zu suchen haben. Daher verbannt er alle Fabelwesen, die nicht der menschlichen Norm entsprechen, aus seiner Stadt Duloc in ein Sumpfgebiet. Dieses wird aber einzig und allein vom großen, grünen und für Menschen furchteinflößenden Oger „Shrek“ (Andreas Lichtenberger) bewohnt. Für Oger typisch wurde er bereits mit sieben Jahren aus dem Elternhaus gestoßen und lebte bis zum Aufeinandertreffen mit den zahlreichen Fabelwesen für sich allein. Entsprechend groß ist seine Abneigung neue Bewohner aufzunehmen. Also beschließt er Lord Farquaard zur Rede zu stellen und seinen Sumpf für sich allein zu beanspruchen. Die verängstigten Fabelwesen sehen in „Shrek“ ihre einzige Hoffnung ihr Schicksal zu ändern. Farquaard selbst ist ohne Königin kein richtiger König und beschließt Prinzessin Fiona (Bettina Mönch) zu heiraten. Diese wurde ebenfalls wie Shrek mit sieben Jahren aus dem Elternhaus gestoßen und lebte fortan eingesperrt in einem Turm, der von einem feuerspeienden Drachen bewacht wird. Als Farquaard gerade per Los entscheiden möchte, wer die Prinzessin befreien soll, platzt Shrek in die Versammlung. Beide verhandeln, dass Shrek seinen Sumpf zurück erhält, wenn er Fiona aus dem Turm befreit. Bei der Rettung wird er von Esel (Andreas Wolfram) unterstützt, der zwar viel plappert, aber Shrek lehrt, dass unterschiedliche Wesen auch Gemeinsamkeiten haben und Freunde füreinander einstehen. Als Shrek und Fiona sich dann auch noch ineinander verlieben und Fiona mit Farquaard längst vor dem Traualtar steht, beginnt eine Rettungsaktion mit überraschendem Ende.

Bei SHREK stehen 25 Darsteller auf der Bühne, die in über 50 abwechslungsreiche Rollen schlüpfen. Darunter sind viele – insbesondere auch deutsche – Märchenfiguren zu sehen, die für die deutschsprachige Erstaufführung gesondert genehmigt und erarbeitet werden mussten. Im Vordergrund steht dabei der Hauptdarsteller Andreas Lichtenberger, der als „Shrek“ nicht nur ein breites Kostüm, sondern auch eine sehr aufwendige, mehrteilige Silikonmaske trägt. Die Verwandlung in seine Rolle dauert dabei mehrere Stunden mit perfektem Ergebnis, das Lichtenberger mit seinem Schauspiel dem Film absolut ähnlich und daher sehr authentisch gekonnt auf die Bühne bringt. Für große Lacher sorgt Energiebündel Andreas Wolfram, der als Plappermaul „Esel“ schnell das Publikum in seinen Bann zieht. Die durchaus schwierige Rolle der im Stück charakterlich nach und nach locker werdenden „Prinzessin Fiona“ meistert Bettina Mönch mit Bravur. Insbesondere das Terzett mit ihren jüngeren Abbildern Emmie Lee Eppstein (kleine Fiona) und Celine Vogt (Teen Fiona) erhält tosenden Beifall. Carsten Lepper spielt den kleinen „Lord Farquaard“, für den er das gesamte Stück auf Knien agieren muss sehr amüsant und schafft es trotz gebrochenem Fuß selbst bei aufwendigen Choreographien, in denen er in die Luft gehoben wird, die Illusion perfekt zu lassen.

Kostüm und Maske von Mario Reichlin und Sarah Kleindienst sind gelungen. Jedes Fabelwesen wird auf Anhieb erkannt ohne dabei langweilig zu wirken. Pinocchio’s Nase wächst mit einem Flötengeräusch beachtlich in die Länge, sobald er lügt. Besonders gut gelungen sind die aufwendigen Tanzszenen der renommierten Choreographin Kim Duddy, die vom Ensemble synchron und unterhaltsam dargeboten werden. Musikalisch unterstützt werden die Darsteller dabei von einer achtköpfigen Band unter der Leitung von Heribert Feckler,  die zum Finale per Video zugeschaltet wird und die - wenn auch nicht großen Ohrwürmer, aber den witzigen Szenen angepassten Musikstücke – kraftvoll erklingen ließ.

Erstmalig wird SHREK aufgrund der bevorstehenden Tour, bei dem das Musical von Januar bis März auch nach Berlin, München, Zürich und Wien reist, vor einer großen LED-Wand präsentiert. Bühnenbildner Sam Madwar setzt diese dabei stets nur als Hintergrund ein und erreicht durch viele vorgestellte Bühnenelemente eine echte Tiefe im Szenenbild ohne die LED-Wand dominierend einzusetzen.

Regisseur Andreas Gergen inszenierte bereits über 50 Opern, Operetten und Musicals. SHREK ist nach der kürzlichen Premiere von THE ADDAMS FAMILY bereits seine zweite deutschsprachige Erstaufführung in diesem Jahr – neben zahlreichen weiteren Musicals, die er wie gewohnt perfekt zu präsentieren vermag. Mit großer Begeisterung für jedes einzelne Werk kann sich Gergen immer wieder mit Feuereifer seiner Arbeit widmen, was im Resultat einer perfekten Inszenierung entspricht.

SHREK ist als Comedy-Musical, das auf einem weltweit erfolgreichen Kinofilm basiert, kein Risiko. Die Erwartungen an die eigenen Lachmuskeln wurden vollends erfüllt. Das Ensemble wurde gut gecastet und lässt durch viele witzige Szenen jung und alt für drei Stunden in eine Märchenwelt tauchen, die neben dem Spaß auch vermitteln kann, dass wahre Schönheit von Innen kommt.

Medien