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Grandiose Stimmen bei BODYGUARD – DAS MUSICAL in Köln

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Im Februar 2012 verstarb mit Whitney Houston eine der größten Stimmen des Planeten. Über 170 Millionen verkaufte Tonträger, mehr als 200 Silber-, Gold- und Platin-Auszeichnungen und sechs Grammy's sind die Bilanz einer Künstlerin, die an der Seite von Kevin Costner mit dem Film "Bodyguard" 1992 weltweit bekannt wurde. Der zugehörige Soundtrack verkaufte sich über 44 Millionen Mal. Ende 2012 erhielt das amerikanische Ausnahmetalent eine Hommage in Form eines Musicals, das neben der Geschichte des Kinofilms 16 Hits der Künstlerin aufweist. Das Musical lief über zwei Jahre in London und ging anschließend auf Tour durch Großbritannien. Nach London und Utrecht ist THE BODYGUARD nun auch in Deutschland angekommen. Am Freitag fand die Presse-Premiere im Musical Dome Köln statt, wo das Werk als BODYGUARD – DAS MUSICAL bis April 2016 noch vor der USA-Premiere im Herbst 2016 aufgeführt wird.

Wie auch schon im Kinofilm wird der ehemalige Secret Service-Agent Frank Farmer (Jürgen Fischer) als Bodyguard für den Popstar Rachel Marron (Patricia Meeden) engagiert, die von einem Unbekannten (Tom Viehöfer) Drohbriefe erhält. Rachel ist über den neuen Schutzmann nicht erfreut und fühlte sich in ihrer Umgebung sicher, da ihre engsten Vertrauten die Drohungen verheimlichen. Als Rachel, die auch Mutter des jungen Sohnes Fletcher (Lamin T.) ist, davon erfährt, beginnt sie Frank zum Schutz ihrer Familie zu vertrauen. Auch Fletcher fühlt sich in der Nähe von Frank wohl. Rachel’s Schwester Nicki Marron (Tertia Botha), die ebenfalls eine gute Sängerin ist und Auftritte in kleinen Bars hat, stand ihr ganzes Leben im Schatten ihrer Schwester und wird noch eifersüchtiger, als sich Rachel und Frank näher kommen. Dieser bemerkt, dass er durch die Zuneigung von seinem eigentlichen Job abgelenkt ist und muss schon kurz darauf bei einer Oscar-Verleihung Rachel’s Leben schützen, denn der Verfasser der Drohbriefe scheint es bei der Verleihung auf Rachel’s Leben abgesehen zu haben.

In der Musicaladaption von Alexander Dinelaris wurde die Handlung aus dem Original-Kinofilm nicht maßgeblich verändert, dennoch fällt aber auf, dass die Beziehungen einzelner Personen untereinander stärker fokussiert oder auch gestrichen wurden. So zeigt sich schon früh die Freundschaft zwischen Frank und Rachel’s Sohn Fletcher, aber auch die Eifersucht von Nicki auf ihre berühmte Schwester. Sorgte ein verwirrter Stalker im Kinofilm noch für Ablenkung auf den eigentlichen Täter, so ist im Musical bereits zu Beginn der Fokus auf den Drohbriefe verfassenden Unbekannten gesetzt, der im Gegensatz zum Kinofilm kein Kollege von Frank Farmer ist. Diese Veränderungen bewirken dabei eine stärkere Sicht aus der Perspektive von Rachel’s Schwester Nicki auf die Handlung, die durch zwei Soli („Saving All My Love“, „All At Once“) und zwei Duette („Run To You“, „I Have Nothing“) gekonnt unterstrichen wird. Natürlich durften auch zahlreiche, weitere Hits von Whitney Houston nicht fehlen: Schon zu Beginn darf sich das Publikum nämlich wie auf einem Konzert fühlen als Rachel Marron „Queen Of The Night“ mit akrobatischen Tänzern, tollen  Lichteffekten und hohen Feuerflammen performt. Zwei so genannte „Toaster“ schießen Tänzer dabei mit einer Geschwindigkeit von 3,8 Metern pro Sekunde eindrucksvoll in die Höhe. Auch „I’m Every Woman“ oder „One Moment In Time“ erhalten tolle Szenerien und begeistern das Publikum. Bei der bekannten Szene, in der Rachel von Ihrem Bodyguard aus einem Club getragen wird, kommt dabei eine eigens für die Show konzipierte Nebelwand zum Einsatz und auch in anderen Szenen können die Kreativen des Musicals mit tollen Projektionen und neuen Effekten beeindrucken.

Höhepunkte bildet der bekannteste Song „I Will Always Love You“, den Whitney Houston von Dolly Parton coverte, gleich zwei Mal: Gegen Ende des ersten Akts führt Frank Rachel in eine Karaoke-Bar aus, verliert dort eine gemeinsame Wette und muss daraufhin den Song zum Besten geben. Ein genialer Geniestreich des Autoren, denn Schauspieler Frank Farmer kann oder darf nicht gut singen können. Jürgen Fischer singt dabei so herrlich falsch, dass der klischeebehafteten Geschichte dadurch eine große Portion Humor eingehaucht wird. Natürlich wird der Song zum Ende des zweiten Aktes wie auch schon im Film mit atemberaubendem Stimmumfang von Rachel dargeboten, die dabei innerhalb von nur 15 Sekunden ihren Freizeit-Look gegen ein Pailletten-Kleid mit Federschleppe tauscht. Das Kleid wurde in mühevoller Handarbeit in 32 Stunden gefertigt.

BODYGUARD – DAS MUSICAL zeigt die Handlung in deutscher Sprache, die Songs werden in Originalsprache aufgeführt. Eine richtige Entscheidung, da die Titel die Handlung unterstreichen, aber nicht erzählen und bei jedem Besucher aufgrund der internationalen Erfolge fest im Kopf verankert sind. Gesungen werden diese von Patricia Meeden und Tertia Botha, die beide mit scheinbarer Leichtigkeit die unvorstellbar großen Fußstapfen von Whitney Houston ausfüllen können. Die Leistung der beiden ist unfassbar hoch, so dass trotz fehlender, männlicher Stimmkraft keine Langeweile aufkommt und BODYGUARD – DAS MUSICAL insbesondere auch durch die schauspielerische Leistung des 30-köpfigen Ensembles und der achtköpfigen Band unter der Leitung von Jeff Frohner auf ganzer Linie begeistern kann.

Wem der Film nicht gefallen hat, der kann und wird seine Meinung nach einem Besuch des Musicals garantiert ändern, denn BODYGUARD – DAS MUSICAL ist nicht nur stimmlich, sondern auch schauspielerisch und insbesondere optisch ein Highlight, das man nicht verpassen darf.

Artikelfoto und Foto 1: Patric Fouad, Fotos 2,3,6,7,11,12,15,17,18: Nilz Böhme, Fotos 4,5,8,9,10,13,14,16: Hardy Müller

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