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Georg Kreisler ist tot

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Georg Franz Kreisler war ein US-amerikanischer Musiker, Kabarettist, Komponist, Satiriker und Schriftsteller österreichischer Herkunft. Bekannt wurde er vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren mit seinen hintergründigen und makabren Chansons. Gestern verstarb er an den Folgen einer schweren Infektion.


Georg Kreisler wurde als Sohn des jüdischen Rechtsanwaltes Siegfried Kreisler und dessen Frau Hilda im Wiener Sanatorium Hera geboren. Er besuchte das Gymnasium Kandlgasse in Wien-Neubau und lernte Klavier, Geige und Musiktheorie. 1938 musste er mit seinen Eltern nach dem „Anschluss" Österreichs über Genua und Marseille in die USA emigrieren, um den drohenden Repressalien nach den Rassengesetzen des Nationalsozialismus zu entgehen.

In Hollywood unterstützte ihn sein Vetter, der erfolgreiche Drehbuchautor Walter Reisch, finanziell und vermittelte Kontakte zum Filmgeschäft. Kreisler wurde mit einer Vielzahl deutsch-jüdischer Exilanten bekannt, die ebenfalls im Filmgeschäft unterzukommen suchten, allerdings kein Englisch sprachen. Mit 19 heiratete er die Tochter des Kabarettisten und Komponisten Friedrich Hollaender, Philine, trennte sich jedoch bald wieder von ihr. Arnold Schoenberg versuchte ihn an der University of California, Los Angeles unterzubringen, wo er abgelehnt wurde.

Kreisler wurde 1943 US-amerikanischer Staatsbürger und für den Zweiten Weltkrieg direkt zur US-Armee eingezogen. Nach der Grundausbildung wurde er nach England verlegt und war in Yeovil und Devizes stationiert, wo er mit Unterhaltungsveranstaltungen für Soldaten, die er teilweise zusammen mit Marcel Prawy schrieb, die D-Day-Truppen unterhielt. Als amerikanischer Soldat und als solcher auch als Dolmetscher in Deutschland tätig, verhörte er Julius Streicher und begegnete Hermann Göring und Ernst Kaltenbrunner.

Nach Kriegsende war er in Hollywood beim Film beschäftigt und arbeitete dort unter anderem mit Charlie Chaplin zusammen. Chaplin pfiff ihm die Filmmusik für Monsieur Verdoux – Der Frauenmörder von Paris vor, die Kreisler auf Notenpapier schrieb und dann zu Hanns Eisler brachte, der die Orchestrierung besorgte. Auch war es Kreislers Klavierspiel, das aufgenommen wurde, wenn man Chaplin am Klavier sah. Da sein Erfolg insgesamt nur mäßig war, zog er nach New York City um.

Während seiner dort verbrachten Zeit trat er als Unterhalter in Nachtclubs auf und ging als Interpret eigener, in englischer Sprache verfasster Lieder auf Tournee durch die Vereinigten Staaten. Drei dort 1947 aufgenommene Schallplatten sind nicht erschienen, weil die Verantwortlichen der Produktionsfirma die teils morbiden Lieder für „unamerikanisch" hielten. Für Titel wie Please Shoot Your Husband war die Zeit wohl einfach noch nicht reif. Der mangelnde Erfolg einer vielfach geäußerten Kulturkritik zog sich von da an durch Kreislers gesamte künstlerische Laufbahn. Er selbst sah das als typische Ignoranz der Zeitgenossen gegenüber dem Satiriker. Erst im Jahr 2005 kamen die verloren geglaubten Aufnahmen von 1947 als Beilage zu seiner Biografie in Form einer CD heraus.

Im Jahr 1955 hoffte er auf mehr Erfolg in Europa, ging zurück nach Wien und traf dort unter anderem mit Hans Weigel, Gerhard Bronner, Peter Wehle und Helmut Qualtinger zusammen. In der Marietta-Bar in der Wiener Innenstadt trat er erstmals mit deutschsprachigen Chansons auf und wurde zeitweise Mitglied des „Namenlosen Ensembles" um Bronner, Wehle und Qualtinger. Er musste allerdings die Erfahrung machen, dass das Publikum von Vorstellungen wie Taubenvergiften im Park keineswegs nur begeistert war.

1958 zog es ihn nach München, wo er mit seiner damaligen Ehefrau Topsy Küppers Chanson-Abende gab. 1976 ging er nach Berlin. Ab 1977 trat er mit seiner Lebensgefährtin und späteren Ehefrau Barbara Peters auf. 1988 zog er nach Hof bei Salzburg, lebte von 1992 bis 2007 in Basel und ab Mai 2007 wieder in Salzburg. Kreisler hatte zwei Söhne und eine Tochter, Sandra, die als Chansonsängerin und Sprecherin tätig ist. Er war weitläufiger verwandt mit dem Violinvirtuosen und Komponisten Fritz Kreisler.

Seit 2001 trat Georg Kreisler nicht mehr mit seinen Liedern auf, stattdessen schrieb er Romane, Kurzgeschichten und Essays oder komponierte und engagierte sich für eine eigenständige Schweiz und gegen einen EU- bzw. EWR-Beitritt (siehe dazu auch sein Lied Der Euro). Per offenem Brief verbat er sich vor seinem 75. Geburtstag Gratulationen von Seiten des Staates Österreich, „weil sich die Republik Österreich in den über vierzig Jahren, seit ich nach Europa zurückgekehrt bin, noch nie um mich geschert hat." Seine Tochter Sandra Kreisler wies darauf hin, es sei „in den letzten 60 Jahren noch nicht einmal jemand auf die Idee gekommen, dem Emigranten Kreisler ehrenhalber seine österreichische Staatsbürgerschaft zurückzugeben."

Im Jahr 2007 übernahm die Berliner Akademie der Künste Kreislers Vorlass. 2009 erschien seine Autobiografie Letzte Lieder.

Am 22. November 2011 starb Georg Kreisler im Alter von 89 Jahren in Salzburg, nach Angaben seiner Ehefrau Barbara an den Folgen „einer schweren Infektion".