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Erfrischend amüsant: "Der Schuh des Manitu" in Tecklenburg

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Erfrischend amüsant: "Der Schuh des Manitu" in Tecklenburg
Die beste Wirkung entfalten lustige Musicals in einer entspannt-lockeren Atmosphäre, wie sie derzeit besonders gut bei den FreilichtSpielen Tecklenburg zu erleben ist. Dort kann man sich derzeit noch bis zum 25. August 2013 davon überzeugen, wie schön die Schoschonen wohnen.

Der wilde Westen ist in Tecklenburg eingezogen. Nicht zum ersten Mal, denn bereits 2011 bewies Intendant Radulf Beuleke, dass die Burgruine eine perfekte Kulisse für Westerngeschichten bildet. Der Spaß von 2011 sollte wiederholt werden und schafft dies aktuell mit Witzen, die auch über das eigentliche Stück hinaus ragen und verleihen der Musicalfassung zum Kinofilm von Michael "Bully" Herbig auch heute noch einen überaus interessanten und individuellen Scharm. So muss sich Alexander Klaws in der Rolle des "Ranger", dem Blutsbruder von Abahachi (Werner Bauer) schon in den ersten Minuten ein "Du Tarzan für Arme" gefallen lassen. Auch vor unseren niederländischen Nachbarn oder der wohl bekanntesten "Reitart" des Internets macht die Neuinszenierung in Tecklenburg keinen Halt.

Nach dreijähriger Pause ist "Der Schuh des Manitu" nun erstmalig open air zu erleben und erlebt dank 2.300 Zuschauerplätzen bei der größten Freilichtbühne Deutschlands ein gut gelauntes Publikum, welches die spaßigen Lieder (Musik: Martin Lingnau, Liedtexte: Heiko Wohlgemuth) und witzigen Pointen mit viel Beifall belohnt. Besonders Thomas Hohler als griechischer Tavernenwirt Dimitri wird mit dem mehrfach dargebotenen Titel „Ich trinke Ouzo" zur garantierten Stimmungskanone, die gerne öfter explodieren darf. Den aus dem Film bekannten griechischen Dialekt beherrscht er hervorragend und bindet das Publikum bei einem Gang durch die Reihen besonders gut ein. Sätze wie "Machen Sie den frei Gang" bleiben nachhaltig im Gedächtnis.

Werner Bauer verkörpert "Abahachi" so, wie man die Rolle im gleichnamigen Film bereits kennen und lieben gelernt hat. Gutgläubig und (fast) immer unübertrefflich optimistisch, wohingegen Alexander Klaws als "Ranger" Allem eher skeptisch gegenüber steht. Klaws schafft es gekonnt sowohl die Zuneigung zu seinem Blutsbruder, als auch den durch diesen resultierenden Ärger authentisch zu vermitteln.

Von Santa Maria (Reinhard Brussmann) und dessen Bande hintergangen, finden sich beide nach einem betrügerischen Immobilienkauf am Marterpfahl der Schoschonen wieder. Dessen Häuptling "Listiger Lurch" (Eric Minsk) beschuldigt beide zu Unrecht für den Tod seines Sohnes "Falscher Hase" (Sebastian Brandmeir) verantwortlich zu sein. Außerdem hatte dieser Abahachi das Geld für den Immobilienkauf geliehen. Auf der Suche nach einer Lösung das Geld zurückgeben zu können, erinnert sich Abahachi an eine Geschichte seines Großvaters "Grauer Star". Eine Karte sollte dabei zu einem wertvollen Schatz führen. Jene teilte seinerzeit Abahachi in vier Teile, behielt ein Stück und verschenkte die übrigen an seinen Zwillingsbruder Winnetouch (Andre Haedicke) und seine Freunde Dimitri (Thomas Hohler) und Uschi (Femke Soatenga). Hombre (Julian Looman), der von Santa Maria stets gnadenlos ausgenutzt wird, lauscht der Geschichte und befreit beide heimlich vom Marterpfahl, um diesen mit seinem Boss und der gesamten Bande zu verfolgen.

Beim Bühnenbild greifen die FreilichtSpiele Tecklenburg auf das gewohnte Konstrukt zurück und setzen mit der "Puder Rosa Ranch" auf der linken Drehbühne einen - wie im Film - pink leuchtenden Hingucker als Heimat des schwulen Winnetouch hin. Andre Haedicke scheint sich in der Rolle des zappeligen und eitlen Zwillingsbruders Abahachi's pudelwohl zu fühlen und steht der Kinovorlage in Nichts nach.

Auch Femke Soetenga weiß sich als "Uschi" in der einzigen, weiblichen Hauptrolle inmitten der ganzen Männerschar durchzusetzen. Mit kraftvoll, starker, aber auch sanft gefühlvoller Stimme nutzt Soetenga die wenigen gesanglichen Auftritte.

Die kühle Wesensart Santa Maria's steht Reinhard Brussmann schauspielerisch sehr gut. Als jedoch die bekannte Werbeszene zum " Superperforator" ansteht, fehlt Brussmann leider die Leichtigkeit, die Sky du Mont im Film aufzeigte. Vielleicht mag dies der Premierennervosität geschuldet sein. Ansonsten erweist er sich als gute Besetzung.

Das große Orchester unter der Leitung von Klaus Hillebrecht rundet auch musikalisch die insgesamt gute, komische und familiengeeignete Open-Air-Inszenierung zu "Der Schuh des Manitu" in Tecklenburg ab. Natürlich handelt es sich dabei eher um ein unterhaltsames Stück, das zum Mitklatschen und Spaß haben animieren soll. Eine tiefer greifende Geschichte mit anspruchsvollerer Musik erwartet die Besucher ab dem 26. Juli 2013, wenn "Der Graf von Monte Christo" ebenfalls aufgeführt wird.

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