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Bedingt geeignet: "Der Graf von Monte Christo" in Tecklenburg

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Bedingt geeignet: "Der Graf von Monte Christo" in Tecklenburg
Neben dem witzigen Musical "Der Schuh des Manitu" und dem Familienmusical "Pipi Langstrumpf" ist bei den FreilichtSpielen Tecklenburg nun auch das 3. Musical des diesjährigen - bislang sehr freundlichen - Sommers angelaufen. "Der Graf von Monte Christo" ist ein tiefsinniges Musical von Frank Wildhorn (Musik) und Jack Murphy (Buch), welches sich aber leider nur bedingt für eine große Freilichtbühne eignet.

Der überaus beliebte Seemann Edmond Dantés (Marc Clear) landet durch einen bösen Plan der Männer Mondego (Carsten Lepper), der in seine Frau Mercédès (Anna Thorén ) verliebt ist, Danglars (Frank Winkels), einem hinterhältigen Spekulanten und dem Oberstaatsanwalt Villefort (Reinhard Brussmann) unschuldig im Gefängnis. Von dieser Ungerechtigkeit gezeichnet steht ihm nach einer erfolgreichen Flucht nach 14 Jahren nur noch Rache im Sinn. Durch plötzlichen Reichtum und eine neue Identität kehrt er zu den Verantwortlichen zurück, um Vergeltung zu üben.

Die FreilichtSpiele Tecklenburg schaffen es immer wieder gekonnt große Ensemblenummern in der Ruine der Burg Tecklenburg imposant in Szene zu setzen. So beginnt das Musical bereits entsprechend mit allen Akteuren im Prolog. Doch leider beinhaltet "Der Graf von Monte Christo" wenig Spielraum für solch große Szenen, wie sie mit "Jesus Christ Superstar" oder "Les Misérables" dort perfekt zur Geltung kommen. Dies soll nicht bedeuten, dass die FreilichtSpiele Tecklenburg eine falsche Musicalwahl getroffen haben. Vielmehr muss man lobend erwähnen, dass es sich hierbei um die erste Open Air-Aufführung des Musicals handelt und die Wahl somit auch mutig war. Dennoch wirkten vergangene Produktionen imposanter und passender. Daher waren viele kreative Schritte notwendig um die Geschichte von Edmond Dantés in Szene zu setzen. Dabei wurde die Drehbühne der linken Bühnenseite von Susanna Buller (Bühnenbild) neben dem Büro des Grafen zuvor auch als Gefängnis eingesetzt, in dem sogar Dantés' Flucht durch Buddeln eines Fluchtweges versinnbildlicht gelingt.

Dabei hilft ihm Reinhard Brussmann als Abbé Faria, einem alten Gefängnisinsassen, der sich mit Dantés anfreundet und ihm Wissen lehrt. Durch seine andere Rolle als stellvertretender Staatsanwalt Villefort zeigt Brussmann, dass er über gutes Schauspieltalent verfügt. Während er zunächst als Villefort kaltherzig und steif sein muss, schafft er es als Faria locker und spaßig das Publikum zum Lachen zu bringen und überzeugt in "Der Graf des Monte Christo" mehr als in "Der Schuh des Manitu", wo ihm in der Bösewichtrolle "Santa Maria" schauspielerische Ironie fehlte.

Marc Clear kann in der charakteristischen Wandlung der Hauptrolle vollends überzeugen, wobei das Kreativteam Elke Quirmbach und Stefan Becks (Maske), sowie Karin Alberti (Kostüm) den Alterungsprozess, sowie die Wandlung vom armen Seemann zum reichen Grafen optisch gut in Szene setzen konnten.

Anna Thorén spielt die Rolle der Mercédès eher zart und unauffällig, überzeugt jedoch mit ihrer klaren Stimme. Femke Soetenga hingegen hat das Glück als Piratenführerin Lousia Vampa mit ihren Auftritten die Bühnenfläche nutzen zu können und schafft dies durch herausragende Präsenz.

Gefühlsarm und hinterhältig ist die Rolle des Mondego zu spielen, was Carsten Lepper auch treffend schafft. Frank Winkels als Danglars, dem dritten Fiesling im Bunde, fällt leider nur wenig auf, während Hakan T. Aslan als Edmonds Vertrauter Jacopo sich gut hervorheben kann.

Das über 20 Personen große Orchester schafft es die Melodien von Frank Wildhorn sehr gut erklingen zu lassen, wobei jedoch die Tonmischung der Darstellermikrofone am Premierenabend zumindest im ersten Akt nicht gut abgestimmt war. Viele Passagen waren nicht gut zu verstehen. In einem anderen Moment war das Orchester nicht mehr verstärkt. Der Ausfall war dabei aber zum Glück nicht lang, zeigte aber dem Publikum welche hochrangige Qualität im Tecklenburger Orchester steckt und das ein Musical nur durch solch großartige Musiker zum Leben erweckt werden kann.

Insgesamt ist die Umsetzung des Musicals auf der Freilichtbühne gelungen. In manchen Szenen verlieren sich die Darsteller auf der großen Bühne, die im Gegensatz zu anderen Produktionen mit deutlich weniger Requisiten auskommt. Dennoch muss man "Der Graf von Monte Christo" gesehen haben und sollte die Chance in Tecklenburg nutzen, da das Musical viel zu selten aufgeführt wird.

Rezensierte Vorstellung: Premiere, 26.07.2013

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