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Persönlicher Bericht über Musicalaufführungen

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Legendenfan erstellte das Thema Persönlicher Bericht über Musicalaufführungen

Auf Wunsch von Prinzessin und Catwoman möchte ich heute meinen persönlichen Bericht über das Musical Ludwig hier aufschreiben. Das spart mir das zweimal schreiben und ich denke, dass es auch andere interessieren könnte :)
Als wir ankamen, war schönster Sonnenschein, das Theater und der Platz am Forgensee mit Blick auf Neu Schwanstein nahm uns bei einem Glas Sekt und Kaffee sofort in die Arme und entführte in die magische Landschaft, des Allgäu`s. Ich weiß das klingt jetzt etwas geschwollen, aber ich habe es so entfunden, dass die Einstimmung auf das Musical schon draußen stattfindet.
Um 19.30 wäre Einlass gewesen, aber eine viertel Stunde vorher, kam die Durchsage, dass das Gebäude geräumt werden muss. Feuerwehrmartinshörner waren zu hören, aber alle waren ruhig. Später stellte sich heraus, dass es einen Feueralarm gab und wir durften mit einer halben Stunde Verspätung in das Theater.
Auf unseren Plätzen blickten wir erst mal auf einen wunderschönen blauen Bühnenvorhang, mit nur zwei sich berührenden Schwänen am unteren Ende der beiden Vorhänge. Dann hob er sich und unser Blick wurde von Regengüssen aus der Decke, in einen See, der sich mitten in der Bühne befand, gelenkt. Ludwig (Matthias Stöckinger) stand auf einem Balkon über der Bühne. Ich weiß nur zwei Darsteller mit Namen, eben Matthias und Uwe Kröger, der den Nervenarzt Guden sang und spielte.
Das Musical begann mit dem kleinen Ludwig und seiner Amme, beindruckend der kleine Junge, der seine Rolle so echt und überzeugend gespielt hat. Sehr beeindruckend wurde die Stimmung auf die Bühne gebracht, in der sich der kleine Ludwig befand, grandios seine zänkische Mutter und sein Vater, als die beiden ihren "Ehekonflikt" auf der Bühne austrugen.
Gesanglich und auch von der Präsens beeindruckend war die Darstellerin der Amme, die durch das ganze Musical immer wieder eine Rolle spielte, genauso wie die Darstellerin der Kaiserin Elisabeth. Im ersten Akt ging es hauptsächlich um die Geschichte, bis zur Krönung. Wunderschöne Bühnenbilder mit einer im Wasser tanzenden Nyphe, schönen Kostümen und wunderschönen Ensambleauftritten. Matthias Stöckinger ist die Rolle des Ludwig auf den Leib geschrieben und er hat die Rolle gelebt.
In der zweiten Hälfte war dann der Wandel und die Zerrissenheit, zwischen seinen Herzensbedürftnissen und der politischen Aufgabe Hauptthema. Die beiden gegensätzlichen Herausforderungen zwischen seiner tief mit der Natur und den Künsten verbundenen Seele und die Aufgabe eines Königs, der sich für Krieg entscheiden muss, wurde grandios auf die Bühne gebracht und von allen Darstellern überragend dargestellt.
Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube das Lied "so kalt mein Herz" wurde nicht gesungen, dafür wurden neue Lieder, die ich noch nicht kannte, dargeboten. Ich kann mich daran erinnern, dass ich Bilder aus der ersten Vorstellung von 2005 gesehen habe. wo Ludwig mit einem Schwanenboot über den Bühnensee gezogen wurde, das wurde in dieser Vorstellung, jetzt nicht mehr gemacht. Desweiteren ging meines Erachtens in der damaligen Vorstellung Ludwig ins Wasser, um damit den Selbstmord darzustellen. In der jetztigen Vorstellung war das Ende in der Nervenklinik, aber auch an einem Wasser und man hörte Schüsse. Uwe Kröger ,der eigentlich als Dr Guden eine eher kleinere Rolle hatte, bekam durch die gemeinsame Schlußszene noch eine Erhöhung seiner Rolle.
Herausragend zu erwähnen ist noch die Rolle des Graf Dirkheim und des Prinzen Otto und dann noch ein Lied, des Schattens. Meine Gänsehaut kam gar nicht mehr zu liegen :silly: Dann senkte sich der Vorhang und schon bei den ersten Sekunden des Schlussaplauses hielt es niemand mehr auf den Stühlen, ich wollte gar nicht mehr gehen. Ich habe noch nicht soviele Musical gesehen, aber das war das Beste, was ich bisher gesehen habe.
Eine ganz persönliche Wahrnehmung möchte ich hier auch noch aufschreiben. Es ist ja bekannt, dass das Theater immer wieder in die Insolvens kommt und um sein Überleben ringt.
Meine Wahrnehmung, die sich außerhalb, der vom Verstand aufgenommenen Wahrnehmung befindet, hat einen Streit gespürt, der in der Gegend immer noch die Handschrift zeigt, die auch das Musical von Ludwig trägt. Die feinfühligen und sensiblen Naturkräfte und die wirtschaftlichen Interessen die sich wie LIcht und Schatten gegenüber stehen und nicht verbinden lassen .... so glaubt man erst, aber wenn man aus dem Theater kommt, dann spürt man, dass genau die Freude und die Liebe, die die Darsteller ihrem Puplikum schenken, die fehlende Verbindung ist. Es ist ja auch bekannt, dass der Forgensee ein künstlicher See ist, der aufgestaut wurde um das Voralpenland von den Überschwemmungen des Lech`s zu schützen und dass darin ein Dorf versunken ist. Wenn man aber die schöne Landschaft sieht, die daraus entstanden ist, dann erkennt man auch darin, dass man Licht und Schatten nicht genau trennen kann. Ich wünsche mir, dass viele Besucher diese Botschaft spüren (muss nicht bewusst sein) und sie mit nach Hause nehmen, auch damit das Musical bleibt und noch vielen Menschen Freude schenkt.
#45849
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Catwoman antwortete auf das Thema: Persönlicher Bericht über Musicalaufführungen

Am Sonntag hatten wir nun endlich auch das Vergnügen, uns in Füssen Ludwig² anzusehen und es hat sich absolut gelohnt. Schon allein durch das ganze Ambiente, die Lage des Festspielhauses direkt am Forggensee mit Blick auf Ludwigs Märchenschloss Neuschwanstein wird man in die Zeit des bayerischen Königs zurückkatapultiert. Der ideale Standort für dieses schöne Stück.
Im Vergleich zur Fassung von 2005 wurde das Musical an einigen Stellen noch einmal überarbeitet. Während 2005 das Musical mit der Szene am Starnberger See (Song: Geliebte Berge) begann, ist diese Szene nun ans Ende des Stücks, unmittelbar vor das Finale gestellt worden. Das Musical beginnt trotzdem mit der vertrauten Melodie von „Geliebte Berge“; man sieht Ludwig auf einem Balkon stehen (vermutlich in Neuschwanstein, kurz vor seiner Abschiebung nach Schloss Berg) und auf seine düstere Zukunft blicken (Song: Meine Zukunft). Unterstützt wird hier der Gesang des Königs durch seine Erzieherin Sybille Meilhaus, die auf sein Leben als Kronprinz, das ebenfalls nicht einfach war, schaut. In folgenden Szenen sieht man den kleinen Kronprinzen mit seinen Bauklötzen spielen, man wird mit der innigen Beziehung zu seiner Erzieherin, die ihm von Wagner-Aufführungen berichtet und im Gegensatz zu seinen Eltern Zeit für Ludwig hat, vertraut gemacht. „Mein Ritter“ gesungen von Suzan Zeichner als Sybille Meilhaus war für mich schon der erste Höhepunkt, da Suzan Zeichner nicht nur ihre Rolle sehr überzeugend spielte, sondern auch eine sehr angenehme, warme Klangfarbe in ihrer Stimme hat. Sie hat mir von den weiblichen Rollen am besten gefallen. Zu „Mein Ritter“ tanzt im Hintergrund einen „Schwanentänzerin“ im See. Eine wunderschöne Szene; für mich die eindrucksvollste im ersten Akt.
Im ersten Akt habe ich irgendeinen neuen Song vernommen, von dem ich jetzt nicht sicher sagen kann, wie er hieß. Möglicherweise „In uns‘rem Herzen“, der schon für die Aufführung in Kempten 2011 hinzugefügt worden ist. Ein sehr schönes melodisches Lied, das von Sybille, Sisi und Sophie gesungen wird.
Das Duett zwischen Sisi und Ludwig ist ein weiterer Höhepunkt des ersten Aktes. Früher hieß es „In Palästen geboren“, nun „Liebe, die in Freiheit blüht“. Der Text der Strophen ist identisch mit der alten Fassung, der Refrain wurde umgeschrieben und geht jetzt mehr in die Vollen. (Eine künstlerische Freiheit, die davon ausgeht, dass Ludwig und Elisabeth vielleicht doch mehr als nur Freundschaft füreinander empfunden haben.)
Das Lied „Das Auge nass“ ist noch im Stück enthalten, heißt aber jetzt „Das Herz so schwer“. Der weitere Text des Liedes blieb m. E. identisch. (Ludwig fühlt sich von Kaiserin Elisabeth zurückgestoßen.)

Insgesamt gesehen kam mir die Handlung des ersten Aktes ein wenig holprig daher. (Ludwigs Kindheit, Krönung, Verlobung mit Sophie mit Bayern, Lösung der Verlobung, seine Schwärmereien für Elisabeth, ein erstes Bekanntmachen des Publikums mit der Figur Dr. Gudden, der hin und her gerissen wird von seinem eigentlichen Berufseid und dem was die bayerische Regierung von ihm verlangt… Das alles wurde innerhalb einer knappen Stunde abgehandelt. Elisabeth von Österreich wird sehr viel Stellenwert beigemessen, während Richard Wagner überhaupt nicht als spielender Akteur auf die Bühne gebracht wurde. (Er wird nur immer wieder mal erwähnt und taucht als übergroße Büste über Ludwigs Schreibtisch auf). Mir ist natürlich klar, dass man als Musicalmacher (gerade wenn man ein Musical über eine historische Figur schreibt) weder alles erzählen kann und sich andererseits, um vieles erzählen zu können, vieler Zeit- und Handlungssprünge bedienen muss.

Der zweite Akt war von der Handlung her wesentlich besser und intensiver erzählt (ließ sich etwas mehr Zeit und die Charakterzeichnung Ludwigs findet mehr Raum). Ebenso hatte der zweite Akt auch mehr gesangliche Höhepunkte, bei denen ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.
Beeindruckend war vor allem die Szene im „Irrenhaus“, als Ludwigs Bruder Otto zum Akteur des Geschehens wurde (ganz stark gespielt von Julian Wejwar) mit dem anschließenden Duett „So kalt mein Herz bzw. Wann kommst du wieder?“ der beiden Brüder. (Auch bei diesem Duett wurde das Libretto an einigen Stellen verändert.)
Für einen kleinen Geniestreich des Stücks halte ich das immer wieder Auftauchen des kleinen Kronprinzen, der sein älteres Ich an seine eigentlichen Träume erinnert. Ludwig wollte nie König sein, er wollte keine Kriege führen, sondern sich den schönen Künsten widmen und märchenhafte Schlösser bauen.
Matthias Stockingers hervorragend gesungene Arie „Kalte Sterne“, in der er mit einer kraftvollen Stimme den Bau von Schloss Neuschwanstein ankündigt, wurde mit tosendem Beifall des Publikums belohnt.
Ein weiterer Höhepunkt für mich: „Freundschaft“ gesungen von Graf Dürckheim (Oedo Kuipers) und Ludwig (Matthias Stockinger).
Wir hatten am Sonntag das Glück eine der vier Vorstellungen zu erwischen, in denen Rene Kollo die Arie des Schattenmanns sang. Was für ein Gänsehautmoment! Dass man mit fast 80 Jahren noch so eine eindrucksvolle gesangliche Leistung zeigen kann, hätte ich kaum für möglich gehalten. Eine immer noch bombastische Stimme! Den stürmischen Beifall und das viele Gejohle des Publikums nach seinem Auftritt hättet ihr auch hören müssen. Neben „Kalte Sterne“ der größte Höhepunkt des zweiten Aktes.
Die Musicalmacher sind offensichtlich Anhänger der „Mordtheorie“. Das Stück endet, wie schon oben geschrieben mit der Szene „Geliebte Berge“ mit Ludwig und dem Psychiater Dr. Gudden (Uwe Kröger) am Starnberger See. Plötzlich fallen Schüssen und es wird kurz ganz dunkel auf der Bühne.
Die Hauptakteure, sowie das ganze Ensemble betrauern den Tod des Königs im Finale und lassen seine Legende auferstehen (Schloss der Zukunft).

Ein kleiner Wermutstropfen war das fehlende Orchester. Die Musik kam vom Band und ebenso der Ensemblegesang. Das sollte aber kein Hinderungsgrund sein, dass Stück noch anzuschauen. Man wird entschädigt durch ein sehr liebevoll, kreativ gestaltetes Bühnenbild (See mit Wasserfontäne mitten auf der Bühne, Ballsaal, etc...), tolle Requisiten (Besonders eindrucksvoll die riesengroße Büste Richard Wagners über dem Schreibtisch des Königs als Symbolik dafür, dass Ludwig eigentlich gerade nur Wagner im Kopf hat und keine große Lust auf seine Amtsgeschäfte.) , eine dezente aber sehr effektiv eingesetzte Licht- und Computertechnik und einen ganz hervorragenden Cast, insbesondere Matthias Stockinger als König Ludwig II von Bayern.

Angesichts des großen Erfolgs des Musical, den wir am Sonntag bemerken konnten (ausverkauftes Haus, Standing Ovation, stürmischer Beifall), bleibt für die Zukunft angesichts der finanziellen Probleme des Festspielhauses Füssen zu hoffen, dass dieses wunderbare Stück über den Märchenkönig bald wieder aufgeführt werden kann, damit noch viele weitere Zuschauer ihre Freude daran haben können.
#46057
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Legendenfan antwortete auf das Thema: Persönlicher Bericht über Musicalaufführungen

www.all-in.de/bilder/veranstaltungen/Koe...cal;cme36008,1599611

noch ein paar Eindrücke für alle die es nicht gesehen haben :) Hoffentlich kommt es wieder!
#46059
Folgende Benutzer bedankten sich: Fabius

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